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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 653
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Das Totentragen zu Erlangen

Der Brauch des Todaustragens war an vielen Orten in Deutschland, auch zu Nürnberg, üblich. Hier wurde folgendes Lied gesungen, das teilweise neueren Ursprungs ist:

        Heunt is Mittfasta, wuhl is dos!
Mer trogn 'n Taud ins Wassa, wuhl is dos!
Mer trogna nei und widder raus,
Mer trogn na vur Biddermonns Haus.
Der Bidderrnonn wollt sterba,
Wolln mer sei Gut ererba,
Sei Silber und sei raudes Guld,
Domit werd unser Beutl vull!
Wos gibt mer 'n altn Männerla?
A Seidla Wein ins Kännela.
Wos gibt mer 'n altn Weiberla?
A Weckla und a Dreierla.
Wos gibt mer 'n junga Madla?
Die Blümla af der Haba.
Wos gibt mer'n junga Bubna?
A Handla vuller Ruta.
Wos gibt mer 'n junga Knechta?
A Messerla, daß sie fechta.
Wos gibt mer 'n junga Roßbuba?
Mer solln seini Rößla loubn.
Das Madla will in d' Körche göhn,
Das Röckla soll vull Faltn stöhn.
Das Röckla vuller Falta,
Madla, nehm kan Alta!
Nehmst du dir an alten Monn
So liegt er in der Höllen kronk.
Nehm du dir an junga Knabn,
Daß er d' Wöign vurs Bett konn trogn.
Laßt uns nit verdröißa,
Um zwölf wolln mer schlöißa!
Aches Laab und Wintergröin
Stöiht unnern raude Kränzla schöin!
Der Taud, der haut an Panzer on,
Hengn viel hundert Läus dron!
Gäbt uns a bißla Schmalza,
Die Suppn ist versalza!
Wollt ihr uns kan Schmalz nit gäbn,
So laußn mer euch 'n Taud nit söhgn!
Mer höirn a Dreierla klinga,
Drum wörn mer uns derspringa!
Werd uns dann a Sechserla draus,
Sen mer gut Gselln und schlagn's nit aus.
Mer haut uns ridli und öihrli gebn –
Der löib Gott lauß as mit Freuden erlöbn! –
Wenn mer das Jauhr widderum singa,
Daß mer euch alli mit Freudn finna!
Behöit euch Gott heuara
Für Wasser und für Feuara!
Das Feuer nimmt bald überhon'
Und macht daraus an arma Monn!

Zu Erlangen war bis auf spätere Zeiten ein Brauch im Schwang, der aus uralter Heidenzeit stammt. Die Bauernmädchen der benachbarten Orte zogen nämlich am Sonntag nach Lätare festlich geschmückt und mit Kränzen in den Haaren zur Stadt und trugen Puppen in den Armen, die mit Laubwerk eingefaßt und mit einem weißen Tuch bedeckt waren. Paarweise traten sie dann vor die Häuser und sangen:

»Heut ist Mittfasten, wohl is das!
Werfen mir 'n Taud ins Wassa, wohl is das!«

Hierzu fügten sie noch allerlei gute Wünsche in ähnlichem Versmaß für den Hausbesitzer und erhielten dann dafür eine kleine Gabe.

Die Puppe, die sie trugen, stellte den Götzen Thor dar und wurde aus dem Grund in die Stadt und durch die Flur getragen, um die Fruchtbarkeit der Felder zu bewirken. Sobald der Umgang beendet und die Gaben empfangen waren, wurde die Puppe über die Brücke in die Rednitz gestürzt. Dieses Fest hieß daher anfänglich Thoraustragen und wurde dann in Totentragen umgewandelt, wovon der Sonntag nach Lätare alsbald der Totensonntag genannt worden ist.

 


 

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