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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 65
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Der König Watzmann

Erzählt von F. Englert.

Es herrschte einmal vor alter Zeit im Berchtesgadener Land ein König namens Watzmann. Dieser liebte weder Menschen noch Tiere, und süße Lust war es seinem grausamen Herzen, die Menschen zu quälen und die Tiere zu martern. Darum war auch die wilde Jagd seine höchste Freude, wo ihn Rüdengeheul und Hörnerschall umgab, daß die Wälder davon widertönten. Doch nicht allein er – auch Weib und Kind fanden hohe Lust an der wilden Hetzjagd, wenn die dampfenden Rosse unter ihnen zusammenstürzten und das totgehetzte Wild von den Hunden zerfleischt wurde. So ging es Tag und Nacht ohne Ruh und Rast über Stock und Stein, bergauf und -ab, der Saat des Landmanns spottend. – Lange Zeit trieb er es so, aber Gottes strenges Strafgericht ereilte den Gottlosen.

»Hallo, hinaus zur wilden Jagd!« tönte es einst wieder durch den Schloßhof; die Hörner schallten, die Rüden heulten, und bald ging es mit Weib und Kindern wieder dahin in wildem Zug. Im Dämmerlicht sieht der König ein Mütterlein, die Enkelin auf dem Schoß, und lenkt sein Pferd vor die Hütte hin, daß Reiter und Roß sie zerstampften. Und wie der Bauersmann und sein Weib trostlos aus der Hütte traten, um die sterbende Mutter im Haus zu betten, da hetzt der König die schnaubenden Rüden auf sie, daß auch sie unter den Zähnen der Bestien verscheiden. Lachenden Blicks sieht der König zu, und mit ihm seine Gattin und die Kinder, wie Menschen sich sterbend im Blut winden.

Da hebt das Mütterlein mit gebrochenem Blick die zerfleischte Rechte empor und flucht fürchterlich im Sterben dem König und der Königin mit ihren sieben Kindern, daß sie die Strafe der Gottheit erreiche und in Felsen verwandle. Und die Erde erbebt, der Sturmwind braust, als ob das Weltende gekommen wäre; Feuer sprüht aus dem Schoß der Erde und wandelt Vater, Gattin und Kinder zu riesigen Felsen um.

So steht Watzmann mit Gattin und sieben Kindern in riesige Felsen verwandelt und blickt als ewiges Wahrzeichen herab ins Berchtesgadener Land.

 


 

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