Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Alexander Schöppner >

Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 645
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
Schließen

Navigation:

König Wenzel zu Nürnberg

Niklaus Muffel, Schultheis zu Nürnberg, erfreute sich der vorzüglichen Gunst des Königs Wenzel so, daß er sich öfters in seinem Hause auf St. Egydienhof aufhielt. Als er einst um Ostern des Jahres 1370 bei ihm zur Herberg gelegen, begehrte er an Frau Barbara Kolerin, des Muffels eheliche Hausfrau, daß sie ihm das Haupt zwage (wasche), darzu sie willig war. Darnach sagte der König: Liebe Wirthin, jeder Arbeiter ist seines Lohns würdig, und was begehrt ihr, daß wir euch zu Lohn geben? Sagt sie mit ehrsamen Worten, sie begehret nichts. Da wollt der König je, daß sie fordere, und was sie fordere, das woll er ihr geben. Also sagt sie, daß er ihr ein Bedenken gebe, mit ihrem Hauswirth Niklas Muffel zu unterreden, und also nach dem Bedenken bat sie den König um einen bewährten Spahn von dem heiligen Kreuz, da hätt sie große Liebe dazu. Also sagt der König, er wollt ihr viel mehr geben; denn das heilig Kreuz, das er an seinem Hals trage, das hätt ihm sein Vater, Kaiser Karl, geben, und wär gar lang von seinen Eltern, den Königen zu Böhmen und dem Haus Luxenburg, herkommen, doch so schickt er nach einem Priester und einem Goldschmied, und ließ da Kerzen anzünden und knieten nieder und thäten das Kreuzlein, das da golden war, darin der Spahn dann lag, von seinem Hals, und brachen das auf, und thäten den Spahn heraus, und schickten nach glühenden Kohlen in die Kuchen, und die bracht man in eim silbern Wasserbeck und also legt der Priester den Spahn in die glühenden Kohlen, also sprang der Spahn des heiligen Kreuzes, das viel Leut sahen, kräftiglich heraus aus dem Feuer, eim Ritter auf sein Mantel, als sie dann um das Kreuz knieten. Der Ritter hieß Herr Christian von Blumeratz, war gar ein mächtiger, frummer, gottforchtiger Mann und des Königs Hofmeister. Und nachdem sagt der König dem Priester in Böhmischer Sprach, er sollt ihm ein Wenig von dem Spahn geben, und der Spahn lag auf einem neuen, weißen leinen Tuch, und da nahm der Priester ein Messer, und sah den heiligen Spahn an und gedacht ein Wenig nach des Königs Gebot davon zu nehmen, und indem er das Messer noch einen Spann hoch ob dem heiligen Spahn hätt, da spaltete sich der heilige Spahn ganz gleich von einander. Da erschrack der Priester und sah den König an. Da sagt der König: Liebe Wirthin, wir wollen euch recht beichten, wir haben dem Priester in geheim in Böhmisch gesagt, er soll euch ein klein Theil davon geben. Also seht ihr das groß Wunder Gottes, der Spahn ist aus dem Feuer gesprungen, und nun also ohn alle menschliche Hülf sogar gleich auseinander gesprungen, daß kein Mensch sehen kann, welches Theil größer sei. Also will recht Gott der Herr, daß das heilig Kreuz von euch geehrt soll werden, mehr dann von uns, darum so nehmet, welches Theil ihr wollt. Also wendet der Priester die zwei Stück um, und kunnt Niemand anders gesehen, denn, daß sie gleich von einander getheilt wären. Und also nahm sie und ihr Hauswirth das ein Stück gar mit großen Freuden, und also gab ihr der König dazu dreißig Schock Böhmische Groschen, daraus machten sie ein silbern Kreuz, darin dasselbig Stück des heiligen Kreuzes verschlossen wurd.

 


 

 << Kapitel 644  Kapitel 646 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.