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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 639
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Des Burggrafen Söhne

Im Gasthaus Zum Mondschein in Nürnberg befindet sich ein altes Wandgemälde, das stellt eine Geschichte vor Augen, von der das Volk noch heutigen Tages zu erzählen weiß.

Zuzeiten des Burggrafen Friedrich, da noch dichte Wälder die Markung der Stadt Nürnberg umgrenzten, sollen sich zahlreiche Wölfe in der Gegend gefunden haben. Nun war der Nürnberger Wald damals von vielen Zeidlern (Bienenzüchtern) in verstreuten Hütten bewohnt. Diese wurden von den raubgierigen Tieren gar sehr beunruhigt und schwebten sowohl in ihren ärmlichen Wohnungen als auf dem Gang zur Stadt in ständiger Lebensgefahr.

Als nun eines Jahres die Zahl der Wölfe so sehr überhandnahm, daß viele Menschen von ihnen zerrissen wurden und die Kunde davon zu den Ohren des Burggrafen gedrungen war, beschloß dieser, große Jagden zur Vertilgung der Raubtiere abhalten zu lassen. Sogleich erklärten sich die Söhne des Burggrafen, zwei mutige Jünglinge, bereit, in den Kampf mit den Wölfen ausziehen zu wollen. Eine große Anzahl Jäger wurde aufgeboten, auch ein gewaltiger Troß starker Wolfshunde zusammengebracht. So zogen die Söhne des Burggrafen eines Morgens mit zahlreichem Gefolge durch die Tore Nürnbergs zur Wolfsjagd aus.

Als sie nun an den Hütten der Sensenschmiede vorüberkamen, spielte zufällig ein Knabe, in Wolfspelz gekleidet, vor der Tür eines Hauses. Kaum ersahen die Rüden das Kind, als sie wütend darauflosfuhren und es im Nu in Stücke zerrissen. Auf das herzzerreißende Jammergeschrei der Mutter stürzte der Vater aus seiner Hütte. Sprachlos vor Schmerz und Wut starrte er auf den am Boden liegenden zerfleischten Knaben.

In demselben Augenblick waren alle Sensenschmiede der Nachbarschaft zusammengelaufen und entsetzten sich ob des grauenhaften Anblicks. Ein Schrei der Rache ging durch die Haufen des versammelten Volks. In wenigen Minuten hatten die Männer Sensen und Beile zur Hand und wandten sich nun ergrimmt gegen die Prinzen und ihr Gefolge. Es kam zu einem wütenden Gemetzel; bald lagen des Burggrafen Söhne ermordet am Boden.

Als die Kunde davon zu den Ohren des Burggrafen drang, soll er nichts geredet, sondern in stillem Schmerz sich aufgezehrt haben. Die Sensenschmiede aber wurden von den Mannen Friedrichs geschlagen; auch sollen viele von ihnen damals Nürnberg verlassen und sich in Dinkelsbühl und Donauwörth angesiedelt haben.

 


 

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