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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 620
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Der Silberbrummen zu St.-Konrads-Berg

Von B. Görwitz.

        Was klingt so melodisch im Felsenbereich?
Was klagt drin so lieblich und sanft und weich
Gleich zitternden Äolssaiten?
Nur Tropfen sind es, wie Demant rein,
Sie träufeln hernieder vom grauen Gestein –
Noch wußte sie niemand zu deuten.

Einst sah man, wie jetzt noch, auf duftigem Grün
Maiblümchen im kühlenden Schatten hier blühn,
Den Töchtern des Landes zur Freude.
Und neben den Blumen die sittige Maid,
Die oft in des Felsens Verschwiegenheit
Sie zierlich zum Kranze sich reihte.

Schon mancher der Frühlinge ging vorbei,
Ihr huldigte still nur der blühende Mai,
O wär' es fortan so geblieben;
Doch himmlischer winkte das neue Glück,
Es traf sie ein einziger Feuerblick,
Entflammt ihr die Seele zum Lieben.

Wie glänzt ihr das Auge voll Wonn' und Lust,
Wie bebt es so heiß in der zarten Brust,
Wie zittert es süß durch die Glieder,
Wenn rasch von dem Roß sich der Ritter schwingt,
Ihr schimmernde Perlen und Küsse bringt,
Der Ritter so traut und so bieder!

Nun schmückte sich lachender ihr die Natur,
Nun kleidete köstlicher sich die Flur,
Und heimlicher wurden die Stunden;
Doch bald, als der Sommer am heißesten glüht,
Maiblümchen schon längst in der Stille verblüht,
Hat die Ros' auch ihr Grab gefunden.

»Was weinst du, mein Liebchen? Sei wohlgemut!«
Sprach schmeichelnd, als er am Herzen ihr ruht',
Der Ritter. »Bald will ich dich freien;
Erst hol' ich im Kampfe den Lorbeerkranz,
Dann führ' ich das Bräutlein zum Hochzeitstanz,
Süß Liebchen, drum laß dich's nicht reuen!«

Und heiß von dem Auge, so mild und blau,
Küßt ab er den glänzenden Schmerzenstau,
Drauf trägt ihn sein Roß in die Weite;
Lang späht ihm das einsame Mägdlein nach,
Kämpft tief in die Brust das schmerzvolle »Ach«,
Denn Hoffnung stand ihr zur Seite.

Wohl kehrte der Ritter vom blutigen Strauß,
Geschmückt mit dem Kranze, ins festliche Haus,
Drin Hochzeitslieder erklangen;
Sein Liebchen aber steht unten und schaut
Mit Todeslächeln hinauf, wo die Braut
Der treulose Ritter umfangen. –

Die Lieder verstummen, die Festlust schweigt,
Der sternenbesäte Himmel erbleicht,
Die nächtlichen Schatten zerrannen;
Und als schon im Osten Aurora blickt,
Die Wälder mit glühenden Rosen schmückt,
Wankt fröstelnd das Mägdlein von dannen.

Schon hat sie erseufzend den Felsen erreicht,
Da wird's ihr im sterbenden Herzen leicht,
Denn Tränen kann sie vergießen;
Und immer reichlicher fließt der Quell,
Benetzet die Blümchen, so rein und hell,
Die dürstenden, bunt ihr zu Füßen.

So findet der Tod sie im Tränenschmerz
Und schließt sie erbarmend ans kalte Herz,
Das jeglichen Kummer versöhnet;
Ihr Auge aber, das hier geweint,
Es weint noch im Grabe, schön längst versteint;
Das ist's, was im Tropfen ertönet!

 


 

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