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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 563
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Lies Herrel

Um Jakobi des Jahres 1371 erschien zu Regensburg ein Geist, der nicht gesehen, aber deutlich gehört werden konnte. Als er unter anderem wegen der Pest, die damals grassierte, befragt worden war, sagte er nichts als diese Worte: »Was fraget ihr, da Gott selbst seiner Mutter nicht alle Geheimnisse offenbaren wollte.« Darauf wurde er von jenen, die vertrauter mit ihm waren (qui ei familiares fuerunt), noch einmal befragt, und antwortete: »Ho! Seht ihr nicht die Eitelkeit und Habsucht dieser Weit, die Gott nicht ungestraft lassen will?« Er sagte den Ausgang des Streites der bayrischen Herzöge mit Karl wegen Brandenburg sowie viele andere Dinge voraus.

Einmal goß er ungesehen die Milch aus einem Gefäß in Gegenwart vieler Leute. Jemand, der gesagt hatte, man müsse keine Furcht vor ihm haben und dem Teufel keinen Glauben schenken, schlug er so heftig auf die Nase, daß reichlich Blut ausströmte. Er wollte nicht anders als Lies Herrel genannt sein.

Einmal sagte ein frommer Priester zu ihm:! »Lies Herrel, gib mir deine Hand!«

Darauf sagte er: »Ich will nicht.«

Als der Priester weiterfragte: »Warum willst du denn nicht?« antwortete der Geist:

»Es würde dir so erschrecklich sein, daß du es nicht aushalten könntest.«

Ein mit ihm sehr vertrautes Mägdlein fragte, warum er vor anderen gerade in ihr Haus gekommen wäre.

Jener gab zur Antwort: »Ich tat es deinetwillen; denn wäre ich nicht gekommen und hätte dich gewarnt, so hätte dich ein Gewisser [den er mit Namen nannte] verführt, und du hättest das Kind nach der Geburt getötet, woraus großes Übel für dich entstanden wäre.«

Als er einmal befragt wurde, ob er ein Engel oder ein Teufel sei, war die Antwort: »Keines von beiden, sondern der Bote eines Engels.«

 


 

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