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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 562
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Wie Brzetislaus Juditha aus Regensburg entführt hat

Zu Regensburg lebte eine überaus schöne Nonne, Judith geheißen. Sie war die jüngste Tochter eines Grafen vom Rhein, genannt Otto der Weise. Brzetislaus, Herzog zu Böhmen, vernahm die Kunde von der hohen Schönheit der Nonne. Eine ungestüme Lust, sich von der Wahrheit zu überzeugen, wurde in ihm rege. Still rüstete er daher eine Zahl Gewappneter, ließ seinem Vater, Herzog Ulrich, hinterbringen, daß er zur Übung ritterlicher Tugenden sich an den kaiserlichen Hof begebe, und zog rasch gen Regensburg hinaus.

Als der Herzog zum Kloster gelangte, umstellte er es mit seinen Getreuen, und als der Gottesdienst anhob, drang er ins Kloster ein. Seinem Späherauge entging die Grafentochter nicht; bald erblickte er sie, die dem männlich wohlgestalteten Jüngling einen vollen Blick ihrer Schönheit gewährte; und von Liebe hingerissen, ergriff er die Nonne, eilte mit ihr aus der Kapelle, hob sie auf sein mutiges Roß und entfloh.

Die Klosterdiener aber waren ihm nachgeeilt und hatten eine mächtige Kette vor das Tor gespannt, die Flucht des Nonnenräubers zu verhindern. Da riß Brzetislaus sein Schwert heraus, spaltete die Eisenkette in der Mitte auseinander, während sein Gefolge sich tapfer durch die andringenden Klosterknechte schlug und ihm nachfolgte.

Mit der Entführten glücklich in Böhmen angelangt, meldete der Herzog seinem Vater das Abenteuer und wie gnadenvoll ihn Gott beschirmt und erhalten habe, und er erhielt die schöne Judith zur Gemahlin. Graf Otto beklagte sich heftig beim Kaiser über die gewalttätige Handlung des Brzetislaus. Kaiser Konrad begnadigte zwar den jungen Herzog, befahl ihm jedoch, Böhmen zu verlassen und sich mit seiner Gemahlin nach Mähren zu begeben, welches Land Herzog Ulrich seinem Sohn schenkte. Dies geschah anno 1026.

Die gespaltene Kette ist lange Zeit im Kloster zu Regensburg aufbewahrt und als ein Wunderwerk betrachtet worden. Nach ihrem Tod wurde die Herzogin Judith in einer Kirche in Prag beigesetzt.

 


 

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