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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 525
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Das Gehäkelt an der Hohen Wand

Von Adalb. Müller. – Das »Gehäkelte«, in der Volkssprache »Ghachlet«, ist eine mit Felsstücken besäte Stromenge zwischen Passau und Vilshofen.

              Auf tiefgetauchten Kähnen schwamm Kaiser Rotbarts Heer
Hinunter in der Donau, hinab zum fernen Meer.

Hie Fürsten und hie Ritter und Kriegsleut' aller Art,
Hie Bischof und die Mönchlein – es war 'ne bunte Fahrt.

Sie zogen frommer Sinnen in das Gelobte Land,
Mit Kreuzen auf den Mänteln, mit Waffen in der Hand.

Es waren, wie man schreibet, wohl vierzigtausend Mann;
Der Kaiser zog den Seinen als treuer Held voran.

Sie hatten jüngst vernommen – und Zorn schwellt jede Brust –
Der Heiden freches Treiben, Jerusalems Verlust;

Wie Mohren und Mamlucken mit Feuer und mit Schwert
Die Christen ausgetrieben, das Heil'ge Grab entehrt.

Das mocht' er nimmer leiden, der tapfre Barbaross',
Drum sandt' er seine Boten durchs Reich von Schloß zu Schloß.

Drum sammelt' er behende ein kampfgerüstet Heer
Und führt' es auf der Donau hinab zum fernen Meer.

Am Strome liegt ein Städtlein, Vilshofen ist's genannt,
Nicht fern davon erhebet sich steil die Hohe Wand.

Und als zu ihren Füßen Herrn Friedrichs Nachen schwamm,
Geschah ein wild Rumoren hoch auf dem Felsenkamm.

Der fromme Kaiser blicket hinan die dunklen Höh'n
Und sieht da mit Entsetzen leibhaft den Bösen stehn.

Er stand in einer Wolke, ein Unhold riesengroß,
Und rüttelte vom Berge mit Macht den Gipfel los

Und schwang in starken Armen den Fels und schnob und flucht'
Und schleuderte hernieder die ungeheure Wucht.

Und als ob ihren Häupten die grause Masse schwebt,
Deucht alles sich verloren; das kühnste Herz erbebt.

Der Kaiser aber langet still nach dem Kreuzesbild
Und streckt es voll Vertrauen empor als seinen Schild.

Und sieh! Der Berg zerstiebet, wie Spreu vom Wind verführt,
In splitterndes Getrümmer, eh' er den Strom berührt.

Rings um die Schiffe stürzt es unschädlich in die Flut,
Der Böse flieht und ächzet, Gestöhn ohnmächt'ger Wut,

Noch heut ragt das zerschellte Gebirg aus tiefem Grund
Und tut, was da geschehen, der späten Nachwelt kund.

 


 

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