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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 512
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Die Legende vom heiligen Blut bei Erding

Im Jahre 1417 kamen ein paar Bauersleute aus dem Dorf Kletheim in ihrem Gespräch auf ihre Vermögensumstände, da der eine wohlhabend, der andere aber arm war. Der Arme fragte nun den Reichen, wie er's denn mache, daß das Glück ihn so begünstige, während ihm, selbst bei aller angewandten Mühe, in seinem Hauswesen nichts Gedeihliches ersprießen wolle. Der Vermögende gab dem so Klagenden zur Antwort, er glaube, sein Glück rühre davon her, weil er in seinem Schrein das allerheiligste Sakrament des Altars aufbehalten habe (in dem Schrein seines Herzens, wie er gewiß verstanden wissen wollte).

Allein der Arme nahm die Rede in seiner Einfalt anders, wie sein Benehmen zeigte. Er meinte einen wirklichen Schrein oder Kasten im Haus und beschloß durch ein gleiches Mittel wie sein Nachbar zu einer gleichen Glückseligkeit zu kommen. Die Gelegenheit dazu bot sich ohnehin bald durch die nahe Osterzeit.

In solchen Gedanken, eine heilige Hostie nach Hause zu bringen, begab er sich am Gründonnerstag nach Altenerding, das nicht eine Viertelstunde entfernt liegt, und empfing die österliche Kommunion in der dortigen Pfarrkirche. Der Einfältige verbarg die heilige Hostie in ein Tüchlein und ging damit endlich nach Hause, voll Freude, diesen Schatz in seinem Hauskasten aufzubewahren, um mit dem Allerheiligsten in seinem Hauswesen gesegnet zu werden.

Indessen hatte es der göttlichen Vorsehung gefallen, seinem ungeziemenden Vorhaben entgegenzutreten. Als der Bauersmann freudigen, aber auch schüchternen Gemütes mit dem verborgenen Abendmahl an den Ort kam, wo jetzt zwischen Erding und Altenerding das Gotteshaus Zum Heiligen Blut steht, entwich ihm die heilige Hostie so wunderbar, daß sie lange ihm sichtbar in den Lüften schwebte, endlich sich auf die Erde niederließ und ihm aus den Augen kam. In seinem Inneren ergriffen, geängstigt und beunruhigt, konnte der Mann mit treuer Seele nun nichts anderes tun, als den Vorfall seinem Pfarrherrn mitteilen. Dieser kam mit seinem Pfarrvolk an den Ort, wo die heilige Hostie wieder sichtbar emporstieg, dann aber wieder in der Erde versank, ohne sich fassen zu lassen.

Auf den pfarrlichen Bericht über diese wunderbare Sache kam der Bischof von Freising mit seinem Domkapitel dahin, und während sie nebst dem zahlreich versammelten Volk beteten, erschien die heilige Hostie auch diesmal schwebend in der Luft und versank endlich wieder in der Erde, ohne daß die Erhebung möglich wurde.

 


 

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