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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 504
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Tödtenried und Eselsburg

Im Jahre 955 lagerten sich die Ungarn oberhalb Augsburg. Kaiser Otto bot ihnen mit seinem tapferen Heer die Schlacht an. Der heilige Ulrich betete um den Sieg und zog selbst mit in den heißen Kampf. Endlich mußten die wilden Horden erliegen, die Mehrzahl wurde niedergehauen, ein großer Teil ertrank im Lech, und der letzte Rest wurde von den wütenden bayrischen Bauern, die alles durch sie verloren hatten, drei Stunden unterhalb Augsburg erschlagen. Der Ort, wo dies geschah, hieß die Totenwiese; dort steht nun heutigen Tages das Pfarrdorf Tödtenried.

Nicht weit davon erheben sich auf waldigem Berg die Trümmer der Eselsburg, so genannt, weil ein Esel in hölzernem Kessel das Wasser täglich in die Burg tragen mußte. Hier hauste der Ritter Greimold, ein Schrecken der schwäbischen Nachbarn und der Augsburger Kaufleute, die keinen Geleitbrief von ihm eingelöst hatten. Dieser gedachte zu heiraten; allein bei allen Burgen und Schlössern, wo er anklopfte, erhielt er abschlägige Antwort. Da hörte er von der Schönheit Jukundes, der lieblichen Tochter Seifrieds des Killentalers. Alsbald ließ er sich ihr zum Gemahl antragen, erhielt aber – wie immer – auch hier einen Korb. Zornentglüht sann er auf Rache. Ein treuloser Diener wurde bestochen, der öffnete in rabenschwarzer Nacht ein Burgtor, und Greimold raubte die züchtige Jungfrau und führte sie auf sein Schloß.

Allein Jukunde sträubte sich, einem Mann die Hand zu reichen, der weitum als Räuber verrufen war. Greimold warf sie kurzen Entschlusses ins Burgverlies.

Doch sein Maß war nun voll. Der Himmel verhüllte sich, fürchterliche Blitze fuhren hernieder, ein Strahl zündete in der Burg und begrub den Frevler unter seinem eigenen Dach. Jukunde aber wurde durch einen Engel befreit und kehrte unversehrt in ihre väterliche Burg zurück.

Noch sehen Mauertrümmer vom steilen Hügel aus Tannenwipfeln ins breite Lechtal hinab; noch sind die Schätze nicht gehoben, die in der Burg vergraben liegen; aber nur mit Grauen nähert sich der Landmann der unheimlichen Stätte und bekreuzigt sich vor dem bösen Geist des Ritters, der noch in den Trümmern der alten Burg umgeht.

 


 

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