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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 493
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Die Hexensteine bei Lindau

Als die ersten Verbreiter des Christentums am Bodensee werden die Heiligen Columbanus und Gallus genannt. Ersterer ist jetzt der Patron Rorschachs, letzterer der St. Gallens. Als Sankt Gallus einst in der Stille der Nacht am Seeufer stand und seine selbstgestrickten Netze ins Wasser warf, hörte er einen Dämon, der von einem benachbarten Berg herab mit lauter, kreischender Stimme einem anderen Geist mit Namen zu rufen schien, der sich in der Tiefe des Sees aufhielt. Der letztere antwortete: »Hier bin ich!«

Da sprach der auf der Höhe: »Wohlan denn, so erhebe dich zu meiner Hilfe, auf daß wir jene Fremdlinge vertreiben, die, aus der Ferne daherkommend, meine Bilder im Tempel zerbrochen und das Volk, das mir diente, zu sich abgewandt haben. Auf, laß uns die gemeinsamen Feinde über die Grenze jagen!«

Der im See antwortete: »Wehe, daß du die Wahrheit sprichst, das erfahre ich an mir selber, denn einer von ihnen setzt mir im Wasser zu und verödet meine Reiche; nie vermag ich seine Netze zu zerreißen noch ihn selbst zu täuschen, weil auf seinen Lippen unaufhörlich die Anrufung des wahren Gottes schwebt.«

Da ermannte sich der heilige Mann, verwahrte sich mit dem Zeichen des Kreuzes, bedräute die Teufel in Christi Namen und eilte zu seinem Meister Columban in die Zelle, zu erzählen, was er gehört hatte. Dieser berief sogleich die Brüder zusammen, und kaum hatten sie angefangen zu beten und zu lobsingen, als sie auch das gräßliche Geschrei der Dämonen vernahmen, die mit verworrenen Klagen über die Berge und den See sich flüchteten. Einer jener Verscheuchten – nach der Sage eine Hexe – soll in der Bedrängnis in drei Absätzen über den See gesprungen und sich dann weiter salviert haben.

In der nächsten Umgebung der Stadt stehen zwei Steine im See, die beide den Namen »Hexenstein« führen; der kleinere befindet sich in der Umfassung der Seebadeanstalt nächst der Römerschanze, der andere aber westlich der Sternschanze – außerhalb der Palisadenreihe –, unweit davon, wo der Eisenbahndamm die Stadt berührt. Der letztere Stein ist der größere, ragt bei niederem Wasserstand drei bis vier Fuß über die Wasserfläche hervor und ist ein sehr beliebter Tummelplatz der Möwen. Besagte Hexe soll nun vom Schweizer Ufer mit einem Schritt zuerst auf den kleineren, mit dem zweiten auf den größeren und mit dem dritten Schritt an Land gesprungen sein. Auf beiden Hexensteinen soll ehedem der Abdruck eines menschlichen Fußes – und zwar mit der Spitze nach der Schwabenseite gekehrt – sehr deutlich zu erkennen gewesen sein.

 


 

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