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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 489
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Der Sturm auf dem Inselsee

Zwischen Kempten und Immenstadt zieht sich beim Weiler Herzmanns in mehreren Windungen gegen Westen der sogenannte Inselsee hin, auch Niedersonthofener See genannt, weil dieses freundliche Dörfchen recht malerisch an seinem Nordwestend gelegen ist. Auf einer weit vorragenden Landzunge steht noch eine hohe Seitenmauer eines in Ruinen gefallenen Schlosses, das einst den Fürstäbten Kemptens und den Herren des dortigen Konventes zum Aufenthalt diente, wenn sie im Herbst in den umliegenden Forsten das edle Waidwerk übten. Da wissen die alten Leute von »Fürstes Zeiten« her noch manch wunderliche Mär zu erzählen von argem Spuk, der da sein Unwesen getrieben habe.

Einmal, als die Herrn eben beim Mahl saßen, hat der »Geist«, erzürnt über ihr weltliches Treiben, einen furchtbaren Orkan über den See hin erregt, so daß die schäumenden Wellen mit rächendem Ungestüm sich über die Ufer wälzten und die Grundmauern des Jagdschlosses beleckten. Der heulende Sturm hat die mächtigsten Linden entwurzelt, die Jagdwagen in den See getrieben, Scheiter Holz umhergeschleudert und Herren und Diener in einen solchen Schrecken versetzt, daß sie nichts anderes als den Jüngsten Tag genaht glauben. Die Jäger wurden auf einmal zu Büßern umgeschaffen und haben auf den Knien um die Absolution gebeten, bevor ihr Sterbstündlein schlüge. Nur einer von den Patres ist dabei gewesen, der hat von all diesem Spuk nichts gehört und nichts gesehen; es ist aber ein ganz unbescholtener Priester gewesen, und der hat mit den anderen nicht mitgemacht.

Von dieser Zeit hat kein Mensch mehr im Schloß wohnen können, und es ist zerfallen und liegt in Trümmern bis auf den heutigen Tag.

 


 

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