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Gutenberg > Alexander Schöppner >

Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 486
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
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sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Heinrich von Kempten (2)

Von Karl Simrock.

              Der erste der Ottonen
War ein gestrenger Mann,
Der keinen pflog zu schonen,
Dem er in Zorn entbrann.
Hat er ihm Tod geschworen
Bei seinem roten Bart,
So war der Mann verloren,
Sein Blut ward nicht gespart.

Ich hab euch von dem Kaiser
Ein andermal erzählt,
Wie Gott zum Unterweiser
Den Kaufmann ihm erwählt,
Des Güt' ihn übergütet
Aus lauterm Herzensborn.
Nun hört, wie ihn behütet
Ein Ritter hat vor Zorn.

In Bamberg auf dem Schlosse
Der werte Kaiser lag,
Manch fürstlicher Genosse
Mit ihm am Ostertag.
Das erste Fest der Wonne
Beging er hochgemut,
Daselbst die liebe Sonne
Drei Freudensprünge tut.

Im Münster ward gesungen
Ihm und der Fürsten viel,
Zur Andacht war erklungen
Orgel und Saitenspiel.
Derweil im Kaisersaale
Stand Tisch an Tisch gereiht,
Zum wonniglichen Mahle
Schon Salz und Brot bereit.

Auch sah man Trinkgefäße
Rotgolden aufgestellt,
Daß bald der Kaiser säße
Davor und mancher Held.
Die Pfannen in der Küche,
Sie brieten all im Saus,
Und köstliche Gerüche
Durchwirbelten das Haus.

Da kam der edlen Knaben
Neugierig einer her,
Sein Vater war von Schwaben
Ein Herzog hoch und hehr.
Da blühte seinem Erben
So zart das Angesicht,
Ein Rosenstrauch im Scherben
Treibt zartre Blüten nicht.

Von Tische ging zu Tische
Der feine Knabe jung,
Er sah nicht Fleisch noch Fische,
Doch mürbes Brot genung.
Nach einem Weck zu tasten
Begann das gute Kind,
Wie immer langem Fasten
Die Kleinen abhold sind.

Die Semmel brach der Knabe
In weißer Hand entzwei,
Da kam mit seinem Stabe
Der Truchseß auch herbei.
Als der den Junker essen
Sah seines Herren Brot,
Ihm schien die Tat vermessen
Und seiner Tischzucht Not.

Um Kleines sich ereifern
Mißziemt dem jungen Mann;
Wie häßlich steht dem reifern
Erst eitler Jähzorn an!
Der Truchseß schwang den Stecken
Und traf des Knaben Haupt,
Daß er im ersten Schrecken
Hinsank, des Sinns beraubt.

Der Schrecken war nicht eitel,
Vom Blute sah man rot
Des Knaben Stirn und Scheitel;
Das schuf noch große Not.
Die Augen aufgeschlagen
Hat er doch gleich zur Stund;
Er saß und gab die Klagen
Mit lautem Schluchzen kund.

Das sah ein edler Degen,
Heinrich, der werte Held
Von Kempten, der zu pflegen
Den Knaben war bestellt.
Daß den so ohn' Erbarmen
Des Kaisers Truchseß schlug,
Das war ihm um den Armen
Im Herzen leid genug.

»Wie habt Ihr nun gebrochen,
Herr Truchseß, Eure Zucht?
Was habt Ihr wohl gerochen
An dieser edlen Frucht?
Gar ohne sein Verschulden
Schlugt Ihr den Herren mein.« –
»Das mögt Ihr schweigend dulden«,
Fiel ihm der Truchseß ein.

»Es ist wohl meines Amtes,
Halt' ich den Unfug fern;
Ihr lobt es, Ihr verdammt es,
Das hör' ich eben gern.
Ich fürcht' Euch, wie die Falken
Sich ducken vor dem Huhn;
Und schlüg' ich dreißig Schalken,
Was wollet Ihr mir tun?« –

»Das sollt Ihr bald ermessen,
Ihr seid ein loser Wicht
Und aller Zucht vergessen;
Ich trag' es länger nicht.
Daß Ihr dies Kind zu bläuen
Gewagt, das edle Reis,
Das sollt Ihr mir bereuen,
Wenn ich noch Knüttel weiß.«

Einen Prügel in der Hatze
Ergriff der Degen frei
Und schlug ihn, daß die Glatze
Ihm platzte wie ein Ei.
Gespalten wie ein Scherben
War Schädel ihm und Kopf,
Er tanzte noch im Sterben
Umkreisend wie ein Topf.

Von blutvermischtem Hirne
War all der Estrich rot,
Mit ausgehöhlter Stirne
Hin sank der Arme tot.
Da hob sich Weherufen;
Sie heulten und sie schrien,
Als vor des Saales Stufen
Der Kaiser jetzt erschien.

Da sah das Blut vergossen
Herr Ott' und sprach erschreckt:
»Wes Blut ist hier geflossen,
Das meinen Saal befleckt?
Wen hat man mir erschlagen;
Den ihr beklagt so schwer?«
Da mußten sie ihm sagen,
Daß es sein Truchseß wär'.

Der Kaiser rief ingrimmig:
»Wer übt so großen Mord?« –
Sie sprachen all einstimmig:
»Von Kempten Heinrich dort.« –
Der Kaiser rief: »Vollbrachte
Der solchen Greuel hier,
Ritt er zu früh, ich achte,
Von Schwabenland zu mir.

Bescheidet mir den Schächer
Her vor mein Angesicht,
Ich bin der Frevel Rächer;
Das wußt' er wohl noch nicht!«
Da luden sie den Degen
Vor den erzürnten Herrn.
Der rief ihm laut entgegen,
Als er ihn sah von fern:

»Wer hieß Euch also schalten,
Daß hier mein Truchseß sank
Ins Blut, das Haupt zerspalten?
Das habt Euch üblen Dank.
Der Frieden ist gebrochen
Hier in des Kaisers Saal,
Die Untat wird gerochen
An Haut und Haar zumal.« –

»Nicht also«, rief von Schwaben
Der unverzagte Held.
»Es ward, der unbegraben
Hier liegt, mit Recht gefällt.
Er hatt' es wohl verschuldet
Mit eignem Friedensbruch;
Drum hört mich und geduldet
Solang Euch mit dem Spruch.

Bei dem, der heut zum Leben
Vom Tod erstanden ist
Am dritten Tag, zu geben
Geruht mir gleiche Frist.
Am heil'gen Ostertage
Versagt mir nicht die Huld,
So stell' ich mich der Klage
Und büße meine Schuld.«

Da sprach aus grimmem Herzen
Der Kaiser unerfreut:
»Es litt des Todes Schmerzen
Hier auch mein Truchseß heut.
Es kam ihm nicht zugute
Der Tag noch dieser Ort;
Hier liegt er in dem Blute,
Und du gestehst den Mord.

Ich habe dich begriffen,
Dein Richter auf der Tat;
Ein Anwalt käm' mit Kniffen
Und Pfiffen hier zu spat.
Ich lache solcher Possen,
Bei meinem roten Bart!
Du hast sein Blut vergossen,
Und deins wird nicht gespart.«

Da solchen Eid geschworen
Im Zorn des Kaisers Mund,
»Mein Leben ist verloren«,
Gedacht' er, »hier zur Stund.
Was er bei seinem Barte
Verheißt, das muß geschehn.
Ich brech' ihn aus der Schwarte,
Sonst kann ich nicht entgehn.«

Er sprach: »Ich muß mich wehren,
Ihr hört wohl, daß es gilt;
Den Kaiser Sanftmut lehren,
Das ist mein bester Schild.«
Vor seinen Herrn geschwinde
Der schnelle Recke sprang,
Dem faßt' er ungelinde
Den Bart so rot und lang.

Er riß ihn bei dem langen
Wohl über einen Tisch,
Daß klirrend niedersprangen
Mit Braten oder Fisch
Die Schüsseln und die Häfen
Von Silber und von Gold;
Die Krone von den Schläfen
Dem Kaiser war gerollt.

Er lag auf seinem Herren
Und hielt ihn unter sich;
Das Raufen und das Zerren
Verstand er meisterlich.
Er brach ihm aus dem Kinne
Des roten Bartes viel;
Im kaiserlichen Sinne
Mißfiel dem Herrn das Spiel.

Ein Messer, lang gewachsen,
Dazu auch wohl gewetzt;
Als er dem edlen Sachsen,
Das an den Hals gesetzt,
Er rief: »Nun gib mir Bürgen,
Daß ich geborgen bin;
Mit Stechen oder Würgen
Fährt sonst dein Leben hin.

Du mußt hier widersprechen
Dem Eid, den du getan,
Des Truchseß Tod zu rächen;
Wo nicht, den Tod empfahn.«
Er faßt' ihn um den Kragen
Und drückt' ihn also fest,
Er hätt ihm vor den Tagen
Den Atem schier entpreßt.

Die Fürsten und die Grafen
Sehn ihres Kaisers Not,
Wie, seinen Zorn zu strafen,
Mit Zorn ihm ward gedroht.
Sie laufen und sie dringen
Herbei wohl allzumal,
Dem Kaiser beizuspringen,
Zu wenden seine Qual.

Doch Heinrich rief: »Berühre
Mich keiner; tät es wer,
Der Kaiser gleich erführe
Die Schärfe dieser Wehr.
Dem ersten dann geschliffen
Wär' sie, der näher kommt;
Herbei, mich angegriffen,
Wem Leben nicht mehr frommt!«

Da deucht es alle weiser,
Sie mischten sich nicht drein;
Auch winkte viel der Kaiser,
Sie sollten ruhig sein.
Der Kemptner rief: »Nun gebet
Mir Sicherheit alsbald,
Damit Ihr länger lebet;
Ihr werdet sonst nicht alt.«

Das Weigern war vergebens;
Der Kaiser hob zum Eid
Drei Finger: seines Lebens
Gab er ihm Sicherheit.
Bei kaiserlichen Ehren
Gelobt' ihm auch sein Mund,
Daß er von dannen kehren
Ihn ließe wohl gesund.

Geborgen war sein Leben;
Den Kaiser Otto ließ
Der Ritter sich erheben,
Als er ihm das verhieß.
Er gab ihm frei die Kehle
Und seines Bartes Flachs;
Still, mit gedämpfter Seele,
Stand auf der edle Sachs'.

Zu seinem Hochsitz ging er,
Dem Stuhl von reicher Art,
Mit dem Kamme seiner Finger
Strich er sich Haar und Bart.
Die Krone hob er wieder
Auf das gesalbte Haupt,
Saß auf dem Stuhle nieder
Und sprach, noch machtberaubt:

»Was ich Euch zugestanden
Aus Zwang – es bleibt dabei;
Des Schwertes und der Banden
Laß ich den Schächer frei.
Doch fahret Eurer Wege,
Und kommt mir nimmermehr
Hinfort in mein Gehege;
Ihr büßt es anders schwer.

Zu einem Ingesinde
Seid Ihr mir doch zu dreist,
Mit Fäusten zu geschwinde,
Wie es sich nun erweist.
Und sollt' es wer nicht wissen,
Der sieht's am Bart mir an,
Daß ich wohl füglich missen
So schnellen Kräusler kann.

Mich mag ein andrer scheren,
Das wisset ohne Scherz;
Eu'r Messer sonst in Ehren,
Nur braucht es anderwärts.
Ich mag es nicht erleiden;
Zu wohl ward ich gewahr,
Es kann gar unsanft schneiden
Den Kön'gen Haut und Haar.

Von dieser Tafelrunde
Seid Ihr hinfort verbannt:
Ihr sollt zu dieser Stunde
Uns räumen Hof und Land.«
Alsbald von allen Mannen
Des Kaisers Urlaub nahm
Der Held und fuhr von dannen,
Froh, daß er so entkam.

Gen Schwaben kehrt' er wieder,
Wo er ein Lehn besaß
Von einem Abte bieder;
Von Kempten, wie ich las.
Mit Wiesen und mit Feldern
Belieh ihn reich das Stift,
Mit Gütern und mit Geldern,
So sagt die alte Schrift.

Darauf nach manchem Jahre
Geschah's – und manchem Tag –,
Daß der mit rotem Haare
Jenseits der Berge lag.
Vor einer starken Feste,
Die scharf zur Wehr ihm stand;
Das Heer der deutschen Gäste
Zerrann im welschen Land.

Da ließ er aller Enden
Kundtun im deutschen Reich,
Ihm sollten Hilfe senden
Die Fürsten alsogleich.
Die Lehn von ihm besäßen,
Die bat er und entbot,
Daß sie ihm nicht vergäßen
Des Beistands in der Not.

Der Boten einer dräute
Von Kempten auch dem Abt,
Den manches Lehn erfreute,
Vom Reich an ihn vergabt.
Die würden ihm genommen,
So er mit Ritterschaft
Nicht eifrig wär' zu kommen
Und hülf aus aller Kraft.

Der Abt ließ seine Mannen
Entbieten unverweilt,
Daß männiglich von dannen
Zu ziehen wär' beeilt.
Da sollte sich nicht sparen
Herr Heinrich auch, sein Mann,
Mit ihm nach Welschland fahren,
Der ganzen Schar voran.

Herr Heinrich sprach: »Ich wage
Mich vor den Kaiser nicht,
Der mir vor manchem Tage
Verbot sein Angesicht.
Bis ich mich ihm versöhne
Erlasset mir den Zug;
Zwei send' ich meiner Söhne,
Die sind auch kühn genug.«

Da sprach der Abt: »Verzichten
Um Eurer Kinder Streit
Will ich auf Euch mitnichten,
Der mir viel nutzer seid.
Mich zwingt, auf Euch zu zählen,
Die Not, es muß geschehn;
Wo nicht – Ihr habt zu wählen –,
Verwirkt Ihr Euer Lehn.«

Der Ritter sprach: »In Treuen,
Da Ihr mir also droht,
Will ich den Zorn nicht scheuen
Des Kaisers noch den Tod.
Eh' Ihr mich mit Unhulden
Von Haus und Hof vertreibt,
Will ich das Schlimmste dulden,
Nur daß mein Lehn mir bleibt.«

Da zog der werte Degen
Gen Welschland mit dem Herrn;
Kühn war er und verwegen,
Hielt alle Furcht sich fern.
Nur barg er vor dem Kaiser
Sich um die alte Schuld;
Das tat er als ein Weiser,
Da ihm gebrach die Huld.

Abseits war aufgeschlagen
Vom Heer des Ritters Zelt,
Darein ließ er sich tragen
Ein Bad, das nahm der Held.
Es war ihm sich zu stärken
Wohl Not nach langer Fahrt;
Im Zuber sollt' er merken,
Was niemand sonst gewahrt.

Der Kaiser wollte dingen
Mit denen aus der Stadt,
Ob sie sein Heer empfingen,
Des langen Streites satt.
Mit wenigem Geleite
Ritt er getrost dahin;
Zog er doch nicht zum Streite –
Auf Frieden stand sein Sinn!

Da hatten ihm die Argen
Auf Mein und Mord gedacht;
In einem Strauchwerk bargen
Sie sich mit Übermacht.
Und als der Kaiser nahte
Der Feste Wall und Tor,
Sie sprangen zum Verrate
Strauchdieben gleich hervor.

Dem kaiserlichen Manne
War alle Hilfe fern;
Herr Heinrich in der Wanne
Ersah die Not des Herrn.
Des Waschens und des Reibens
Gedacht' er nicht erst lang,
Hier war nicht seines Bleibens;
Dem Bad er rasch entsprang.

Wie bald hat er ergriffen
Den guten Schildesrand,
Ein Waffen, scharf geschliffen,
Gerissen von der Wand.
So kam er hingelaufen
Zum Kaiser nackt und bloß
Und hieb ihn aus dem Haufen,
Wie stark der war und groß.

Er konnte wohl mit Streichen
Sich wehren also nackt;
So weit er mochte reichen,
Fiel mancher Feind zerhackt.
Zu beiden Seiten schossen
Verräter in den Staub,
Die gerne Blut vergossen,
Gab er dem Tod zum Raub.

Er nahm mit schnellen Hieben
Sie so in seine Zucht;
Die lieber leben blieben,
Die wandten sich zur Flucht.
Erledigt war Herr Otte
Und wußte nicht, von wem,
Ihm ward der Schächer Rotte
Nun nicht mehr unbequem.

Gleich lief auf seinem Pfade
Zurück der werte Held,
Er sehnte nach dem Bade
Sich wieder in sein Zelt.
Er schwang sich in den Zuber,
Ins Wasser, das noch warm;
So stille da gehub er
Als wild im Feindesschwarm.

Der Kaiser unterdessen
Kam zu der Fürsten Schar;
Wie mocht' er da vergessen
Des, der sein Retter war?
»Müßt ich sein Schuldner bleiben,
Das trüg' ich ewig Scham;
Wie soll ich ihn beschreiben,
Der nackend helfen kam?

An hohem Wuchs und Stärke
Wer wär' dem Kühnen gleich?
Wer wär' zum Kriegeswerke
So rasch im ganzen Reich?
Mein Herz ist ihm verpflichtet
Bis an den Jüngsten Tag.
Wer ist's, der mir berichtet,
Wo ich ihn finden mag?«

Nun war der Abt zugegen
Der wußte wohl Bescheid;
Sein Dienstmann sei der Degen,
Der seinen Herrn befreit.
Er sprach: »Ich könnt' ihn bringen,
Der Euch erlöset hat;
Doch erst mit Euch zu dingen
Mahnt mich ein weiser Rat.

Auf seinem Rücken lastet
Von alters schwere Schuld,
Daß Ihr mit Recht ihn haßtet
Und ihm entzogt die Huld.
Wenn ihm nun Gnade würde,
Daß Ihr ihn heute frei
Und ledig sprächt der Bürde –
Ich schafft' ihn bald herbei.« –

Er sprach: »Ihr dürft ihm sagen,
Er soll willkommen sein,
Und hätt' er mir erschlagen
Den lieben Vater mein.
Bringt Ihr ihn her zur Stelle,
Euch bürgt mein Kaiserwort;
Kein Freund und kein Geselle
Wird mir so wert hinfort.«

Der Abt von Kempten nannte
Den Namen unentstellt.
»Den ich einst von mir bannte,
Der kühne Schwabenheld?
Ist der ins Land gekommen?
Wie gern vernehm' ich das!
Schon längst ist mir benommen
Auf ihn der alte Haß.

Ich dacht' in meinem Sinne
Wohl oft: Wär' er bei mir,
Er hülf' uns bald gewinnen
Die stolze Feste hier.
Daß er mich heut befreite,
Was hab' ich's nicht erdacht?
Wer liefe nackt zum Streite
Wohl sonst mit Übermacht?

Kein andrer dürft' es wagen
Als dessen starke Faust,
In Kaisers Bart geschlagen
Mich hat gerauft, gezaust?
Dafür will ich ihn schrecken,
Wenn Ihr ihn zu mir führt,
Und ihn ein wenig necken,
Wie mir und ihm gebührt.«

Er hieß ihn eilends bringen;
Und als Herr Heinrich kam,
Er stellt in allen Dingen
Sich ihm von Herzen gram.
Er fuhr ihn an: »Nun saget,
Ist Euch das Leben leid,
Daß Ihr es töricht waget
Und hergekommen seid?

Ihr seid's doch, der am Kinne
Mich ohne Messer schor;
Man wird's am Wachstum inne
Noch heut, das sich verlor.
Mitsamt den Wurzeln risset
Ihr mir die Grannen aus;
Ihr wart von Sinnen, wisset,
Sonst bliebet Ihr zu Haus.« –

»Genade«, sprach der Degen,
»Genötigt ward ich her;
Mein Herr ist hier zugegen,
Der zwang mich in sein Heer.
Ich bin nicht gern gekommen,
Auf Ehr und Seligkeit!
Mein Lehn wär' mir genommen,
Ritt ich nicht her zum Streit.« –

Der Kaiser sprach mit Lachen:
»Ihr kühner Degen wert,
Ihr habt an diesen Sachen
Die Unschuld wohl bewährt.
Ich will auch fahren lassen
Auf solchen Mann den Groll,
Und den nicht länger hassen,
Den ich verehren soll.

Ich danke dir mein Leben,
Du edler Held erwählt,
Doch war dir längst vergeben,
Es sei dir nicht verhehlt.
Vom jähen Zorn, dem blinden,
Seit du mich hast geheilt,
Kein Urteil wieder finden
Sah man mich übereilt.

Du bist, mich zu verpflichten,
Stets bei mir eingekehrt:
Einst lehrtest du mich richten,
Heut rettet' mich dein Schwert.
Komm her und laß dir danken
Mit Kuß und Bruderschaft;
In dieser Arme Schranken
Sei deines Kerkers Haft.«

Er schloß den Degen bieder
Behend an seinen Mund,
Er küßt' ihm Stirn und Lider
Und tat ihm Freundschaft kund.
Auch ließ er von der Seite
Nicht mehr den Vielgetreun,
Im Rat und auch im Streite
Wollt' er sich sein erfreun.

Dies Lied hab' ich gesungen,
Das einst ein Dichter sprach;
Und ist ihm baß gelungen,
Es bringt mir keine Schmach.
Konrad von Würzburg heißt er,
Der uns die Mär erhielt;
Er war ein guter Meister –
Den Ruhm hat er erzielt.

 


 

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