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Gutenberg > Alexander Schöppner >

Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 481
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Konradin

Von Gustav Schwab.

                Kaum ist der Frühling im Erwachen,
Es blüht der See mit Strauch und Baum
Es blüht ein Jüngling dort im Nachen,
Er wiegt sich in der Wellen Schaum.

Wie eine Rosenknospe hüllet
Ein junges Purpurkleid ihn ein,
Und unter einer Krone quillet
Sein Haar von güldenerem Schein.

Es irret auf den blauen Wellen
Sein sinnend Auge, wellenblau;
Der Leier, die er schlägt, entschwellen
Gesänge von der schönsten Frau.

Des ersten Donners Stimmen hallen,
In Süden blitzt es blutigrot;
Er läßt sein Lied nur lauter schallen,
Ihn kümmert nichts als Liebesnot.

Und wenn er Minne sich errungen,
So holt er sich dazu den Ruhm
Und herrscht, vom Lorbeerkranz umschlungen,
In seiner Väter Eigentum.

Kind, wie du stehst im schwanken Kahne,
So rufet dich ein schwanken Thron;
Vertrau dem Schatten nicht, dem Ahne,
Verlaßner, armer Königssohn!

Du bist so stolz und unerschrocken,
Du sinkest, eh' du es geglaubt;
Es sitzt die Kron' auf deinen Locken,
Als träumte nur davon dein Haupt! –

Er höret keine Warnungsstimme,
Schwimmt singend auf dem Abgrund hin;
Was weiß er von des Sturmes Grimme?
Nach Lieb' und Leben steht sein Sinn.

So gib ihm Leben, gib ihm Liebe,
Du wonnevolles Schwabenland;
Verdopple deine Blütentriebe,
Knüpf ihm der Minne sel'ges Band!

Es hat zu leben kurz der Knabe;
Hauch ihm entgegen Lebenslust,
Durchwürze jede kleine Gabe
Mit ew'ger Jugend Blütenduft!

Mach ihm den Augenblick zu Jahren,
Den er an diesen Ufern lebt,
Daß er mit ungebleichten Haaren
An Freude satt gen Himmel schwebt!

Was ist's? Er läßt die Leier fallen,
Er springt ans Ufer, greift zum Schwert!
O seht ihn über Alpen wallen
Mit treuen Männern hoch zu Pferd!

Der Lust, der Liebe Lieder schweigen,
Er glüht von edlerem Gelüst;
Er will der Väter Thron besteigen –
Und wandelt auf das Blutgerüst.

Was willst du mit der Blumen Kranze,
Du grünes, seebespültes Land?
Was willst du, Luft, mit blauem Glanze?
Was willst du, leerer Kahn, am Strand?

Ihr schmücket euch zu seiner Wonne –
Hin ist er ohne Wiederkehr!
Wirf einen Schleier um, o Sonne!
Der letzte Staufe ist nicht mehr.

 


 

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