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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 478
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Heinrich mit dem goldenen Pflug

Eticho der Welf liebte die Freiheit derart, daß er Heinrich, seinem Sohn, heftig riet, er möge kein Land vom Kaiser zu Lehen tragen. Heinrich aber begab sich durch Zutun seiner Schwester Judith, die Ludwig dem Frommen die Hand gegeben hatte, in des Kaisers Schutz und Dienst und erwarb von ihm die Zusage, daß ihm soviel Land geschenkt sein solle, als er mit seinem Pflug zur Mittagszeit umgehen könne. Heinrich ließ darauf einen goldenen Pflug schmieden, den er unter seinem Kleid barg; und zur Mittagszeit, als der Kaiser schlief, fing er an, das Land zu umziehen. Er hatte auch an verschiedenen Orten Pferde bereitstehen, damit er die ermüdeten gleich auswechseln konnte.

Endlich, als er eben einen Berg überreiten wollte, kam er an ein böses Mutterpferd, das gar nicht zu bezwingen war, so daß er es nicht besteigen konnte. Daher heißt der Berg bis auf den heutigen Tag Mährenberg und die Ravensburger Herren behaupten das Recht, daß sie nicht genötigt werden können, Stuten zu besteigen.

Mittlerweile war der Kaiser aufgewacht, und Heinrich mußte einhalten. Er ging mit seinem Pflug an den Hof und erinnerte Ludwig an das gegebene Wort. Dieser hielt es auch; wiewohl es ihm leid tat, daß er so überlistet und um ein großes Land gebracht worden war. Seitdem führte Heinrich den Namen eines Herrn von Ravensburg – denn Ravensburg lag mit im umpflügten Gebiet –, wogegen seine Vorfahren bloß Herren von Altorf geheißen hatten.

Als aber Eticho hörte, daß sich sein Sohn hatte belehnen lassen, machte er sich traurig auf aus Bayern, zog mit zwölf seiner treuesten Diener ins Gebirge und blieb da bis an sein Lebensende. Später ließ einer seiner Nachfahren, um Gewißheit dieser Sage zu erlangen, die Gräber im Gebirge suchen und die Totenbeine ausgraben. Da er nun die Wahrheit völlig daran erkannt hatte, ließ er an dem Ort eine Kapelle bauen und sie da zusammen bestatten.

 


 

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