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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 476
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Hohenschwangau

 

          Wem ist die Burg doch eigen, die nah am Lech sich hebt?
Wo sich die Marken scheiden? Ei, wie so stolz sie strebt!
Auf Bayerns Boden fußt sie und blickt so frei hinein
Ins schöne, üpp'ge Schwabenland und ins Tiroler Gestein.

Das ist 'ne Burg der Ehren, ein rechter Luginsland,
Da ward die Minneharfe gerührt von Kaiserhand;
Noch wehen die alten Lieder ums Schloß bei Mitternacht
Und säuseln bis zum Untersberg: Ob Stauf noch nicht erwacht?

Wo sich die Marken scheiden, da steht das alte Schloß;
Von dreien Heldenstämmen trug es gar manchen Sproß.
Dreiästig schlingt der Efeu sich um den Turm dort hin;
Den Welfen und den Staufen, den Schyren gilt dies Grün.

Von den Julischen Alpen, wo Lech und Inn einander am nächsten sind, am Bodensee und hinauf an Iller und Schussen zeigen sich die Wiege, der Sitz und die Gräber der Welfen. In dem Völkerbund, der bald nach Etzels jähem Tod das linke Donauufer einnahm, abenteuerten die Schyren, Heruler, Rugier und Turcilingen mit Odoaker nach Italien und stießen den Knaben Augustulus vom Thron.

Später zogen die Stämme der Heruler unter großen Unfällen wieder bis an die Ostsee hinauf. Es wurden die Schyren von den Goten fast vertilgt und jene Geschlechter erhalten, die als die ersten und edelsten den Namen des Volkes selber trugen. Ethiko und Welf gehörten zu diesen Vordermännern der Schyren, Ethiko und Welf hießen nach Jahrhunderten noch die Helden dieses Stammes. Als das Reich der Merowinger verfaulte und die Majordome, sich Macht erringend, die Alemannen, die Thüringer und die Bajuwaren unterwarfen, saß Graf Welf zu Altorf bei Ravensburg im schwäbischen Allgäu frei und herrlich auf freiem und herrlichem Erbe. Vom ersten in dunkler Sage schwebenden Welf werden insgemein zwölf, von den allemannischen Kammerboten Warin und Ruodhard und von Isembart, dem die Sage zwölf Söhne auf einmal gibt, drei und zwei Geschlechtsfolgen gezählt.

Lauter klingen dann Geschichte und Sage von Judith, der Tochter Welfs und Ludwigs des Frommen zweiter Gemahlin.

Ein Zweig jenes uralten Stammes der Schyren hatte sich frühzeitig abgesondert und an der Isar und an der Ilm erhalten. Arnulf, des Schyren Luitpold Enkel, baute die Burg, die nach dem uralten Geschlechtsnamen Schyren (Scheyern) genannt wurde.

Welfen und Schyren umgibt ein unübertroffener Altertumsglanz. Über beide erhob sich auf einmal ein drittes Haus – nicht auf Altersruhm, sondern auf persönliche Größe gegründet –: die Hohenstaufen. An die Verbindungen und Entzweiungen der Welfen und Staufen knüpft sich ein Kranz der erhabensten germanischen Erinnerungen. Und eine stille, heitere Burg am Fuß der Alpen läßt all die großen Heldengeister im Spiegel der Geschichte und Sage an uns vorüberschweben. Welfen, Staufen und Schyren haben hier gehaust und gewaltet.

 


 

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