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Gutenberg > Alexander Schöppner >

Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 467
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Histori vom Ursprung des Gotteshauß Salvators zu Bettbrunn

Von Georg Prantel. – Bettbrunn: Pfarrdorf, 4 Stunden von Ingolstadt.

        Als man gezählt Eylffhundert Jar
Und fünfunzweyntzig, das ist war,
Geschach ein Wunderzeychen bald
Mit einem Hirten in dem Walt,
Der beycht zu Oesterlicher Zeit,
Wie ander fromme Christen Leut:
Nam Christum under Brodts Gestalt,
Nach brauch der christlich Kirchen alt.
Als er solchs in sein Mundt empfieng,
Von stundan er vom Prieger gieng:
Ein wenig nur von dannen kam,
Die Hosti auß dem Mundt er nam,
Legts in ein saubers Schächtelein:
Diß Himmel Brodt sein Schatz solt seyn:
Dasselb er täglich mit jhm nam,
Weyl selten er gen Kirchen kam:
Grub auß alßbald ein Hirten Stab,
Wie ichs zuvor beschrieben hab.
Wann dann kam der klar Sonnen Schein,
Steckt er den Stab ins Erdreich nein,
Setzt drauff das heilig Sacrament,
Kniet nider, und hub auff sein Händ,
Bett solches an mit Andacht fein,
Daß jhm Gott wöll genädig seyn,
Verzeyhen seine Missethat
Und Sünd, die er begangen hat.
Einsmals er ohn gefährd ersicht,
Daß sich sein Viech zum Schaden richt,
Alßbaldt er auffsteht von der Erdt,
Vergißt also der Hosti werd,
Und wirfft sampt diser seinen Steckn
Nach seinem Viech nein in ein Heckn.
Dahin fiel auch das Himmel Brodt,
Leib und Blut Christi, Mensch und Gott:
Deßhalben er groß Schrecken nam,
Und inn sehr grosses Trawren kam:
Griff gleichwol nach dem Sacrament,
Auffheben wolts mit seiner Händt,
Möchts aber nicht zuwegen bringn:
Darumb laufft er vor allen Dingn
Zu seinem Pfarrher eylendts dar,
Ihm das Geschicht macht offenbar:
Der Pfarrher sich nicht saumet lang,
Von stundan mit dem Hirten gang,
Das Sacrament erheben wolt,
Villeicht solchs nicht geschehen solt.
Dieweyl, so offt er griff darnach,
Es weytter von jhm wich gemach,
Dadurch er kundt erkennen klar,
Daß es von Gott geordnet war,
Sein Bischoff er berichtet das,
So eben da zu Regnspurg was.
Der Bischoff und die Clerisey,
So diese Zeit jhm wohnten bey,
Mit Wunder zogen in der Eyl
Dahin bis in die sieben Meyl,
Bald kamen an das Ort und End,
Da lag das heilig Sacrament:
Ein herrlich Bittfart richten an,
Darzu kam Jung, Alt, Fraw und Mann
All fielen nider auff die Erdt,
Und betten an die Hosti werd,
Und rufften Gott von Himmel an
Daß er jhm wolt sein Beystandt than,
Verlobten Christo auch darnebn,
Wann solch der Bischoff köndt erhebn,
Sie wolten an das Ort daher
Ein Kirchl in Sanct Salvators Ehr
Erbawen, welchs geschehen ist,
Verbrunnen doch in kurtzer Frist.
Drumb haben fromme Mann und Frawn
Auß Andacht wider lassen bawn
Diß herrlich schön Gottshauß allhie,
Mit viel Unkost und großer Müh,
Dahin kompt offt der Bilger Schar,
Und bringt jhr Gab und Opffer dar,
Daß jhr Gebett Gott woll erhörn,
Sein Gnad bey jhnen reichlich mehrn:
Allda durch Gottes Macht und Sterck
Geschehn viel Tausend Wunderwerck.
O Mensch bedencks mit gantzem Fleyß,
Und sag Gott Danck, Lob, Ehr und Preyß.

 


 

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