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Gutenberg > Alexander Schöppner >

Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 453
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Der Schäfflertanz zu München

Von F. G. Pocci.

        Zu München, im Land Bayern,
Ist eine schwere Zeit,
Man hört kein Freudenwörtlein
Und trauert weit und breit.

Die Häuser sind geschlossen,
Die Straßen öd und leer,
Kein froher Sang erschallet,
Und still ist's ringsumher.

Geh nicht zu deinem Nachbar,
Schließ dich ins Kämmerlein,
Laß reichen dir mit Zangen
Das Brot durchs Fenster ein.

Und wär' dein Bruder draußen
Und auch dein eigen Kind,
Laß unberührt sie stehen,
Und fliehe nur geschwind!

Man betet in den Kirchen
Man hält kein frohes Mahl,
Die Pest ist's, die mit Grausen
Durchzieht das Isartal.

Die Reichen wie die Armen,
Sie sterben alle hin,
Es müssen Jung' und Alte
Schnell aus dem Leben ziehn.

Und wer will sie bestatten,
Die so gestorben sind? –
Kaum daß ein Totengräber
Sich für die Leichen find't.

Da solch ein gift'ger Odem
Durch alle Straßen weht,
Bedarfs wohl kühnen Mutes,
Wenn man ins Freie geht.

Da wagten denn die Schäffler –
Die ersten – den Versuch
Und dachten: »Gott wird helfen,
Der Trauer war genug!« –

Es kleideten sich festlich
Mit roten Wämsen an,
Es schmücken sich mit Kränzen
Wohl an die dreißig Mann.

Sie zogen durch die Straßen
Mit Saitenspiel und Sang,
Ein Schalksnarr an der Spitze,
Oft ganze Tage lang.

Und vor den Häusern hielten
Sie einen lust'gen Tanz
Und schwenkten Gläslein Weines
Auf grün umwundnem Kranz.

Da lockten sie die Bangen
Bald an die Fenster vor,
Zu treten wagten viele
Herunter bis ans Tor.

Wohl gar auch auf die Straßen,
Zu schaun der Schäffler Tanz,
So daß auch Angst und Sorge
Verschwanden endlich ganz.

Da hört' der Bayern Herzog,
Ein edler frommer Mann,
Auf was die Schar der Schäffler
Zu Trost und Kurzweil sann.

Er hieß sie zu sich bitten,
Um ihren Tanz zu schaun,
Und hatte Wohlgefallen
An ihrem Gottvertraun.

Da sprach er: »Hört, ihr Leute,
Da ihr so wacker seid,
Soll eurer Schäfflerreihen
Bestehn für alle Zeit.

Und alle sieben Jahre
Soll sich der Tanz erneun
Und alle guten Münchner
Die Kurzweil hoch erfreun.«

So tanzen denn die Schäffler
Getreu, wie's damals war,
Zu München auf den Straßen
Noch alle sieben Jahr'.

Das Schurzfell um die Lenden
Samtkäpplein auf dem Haupt,
Schwingen sie bunte Reife
Und Kränze grünumlaubt.

Sie ziehn nach alter Sitte
Aus ihrer Herberg aus
Und machen ihre Sprünge
Auch vor des Königs Haus.

In Ehren solln wir halten,
Was alter Brauch uns bringt,
Drum ist's, daß auch mein Liedlein
Den Schäfflertanz besingt.

 


 

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