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Gutenberg > Alexander Schöppner >

Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 440
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Ettals Stiftung

Von F. G. v. Pocci.

        Aus Roma kehrt der Kaiser
Zurück ins Bayerland,
Geschmückt mit goldner Krone,
Das Szepter in der Hand.

Er ziehet durch die Wälder,
Er reitet durch die Au'n
Und grüßet deutschen Boden
Mit frommem Gottvertraun.

»Du gabst, o Herr, die Krone
Und kaiserliche Macht;
Verleih mir auch den Segen
Zu meines Reiches Wacht.«

Und da er also betet
In gläubig frommem Sinn,
Da fällt sein Rößlein dreimal
Vor einer Tanne hin.

Er schauet im Gesichte
Ein Kloster dort erstehn,
In dem der Mönche Scharen
Für seine Wohlfahrt flehn;

Ein Engel hält in Händen
Das Bild der Jungfrau hold,
Die unsern Herrn geboren,
Weil Gott es so gewollt.

»So will ich denn erbauen,
Wie mir's erschienen ist,
Ein Kloster, weit und prächtig
Hier, wo der Bergstrom fließt.

Es sollen zu den Mönchen
Zu Frommen und Erbaun
Zwölf Ritter sich gesellen
Mit ihren lieben Fraun.

Sie sollen täglich beten,
Wenn Glockenklang erschallt,
Sie dürfen fröhlich jagen
Im grünen Tannenwald.«

Und wie er es gelobet,
So hat er's auch vollbracht:
Gezimmert und gemauert
Ward emsig Tag und Nacht.

Und als der Bau vollendet,
Schmückt bald den Hochaltar
Der Mutter Gottes Bildnis,
Wie es erschienen war.

Nun ruht im Grab der Kaiser
Nach mancher Müh' und Not,
Die Ritter und die Frauen,
Die Mönche – sie sind tot.

Die Kunde aber lebet
Von Ludwigs Frömmigkeit,
Erzählt, was er gestiftet
In längst vergangner Zeit.

 


 

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