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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 435
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Der Schloßberg bei Wolfratshausen

Der Erzähler, ein Greis von achtundachtzig Jahren, wußte sich des Ortes, wo der Schloßberg steht, nicht mehr zu entsinnen. In der Nähe von Wolfratshausen, sagte er, ist ein Schloßberg, wo einst ein von drei Fräulein bewohntes Schloß stand, das aber versunken ist. Da liegt ein Schatz verborgen, von dem einst ein mutiger Mann soviel nahm, als er tragen konnte. Das ging so zu:

Zuerst beichtete er und nahm ein geweihtes Amulett unseres Herrgotts und der Heiligen Jungfrau auf die Brust, damit ihm der Böse nicht schaden konnte. So nahte er sich dem Platz, wo vor der Höhle ein schwarzer Hund mit glühenden Augen saß, der ihm aber den Eingang nicht verwehrte. Er gelangte in ein Zimmer und erblickte drei Jungfrauen in drei Betten liegend. Eine von diesen Jungfrauen – oben weiß, unten schwarz – war wach; die beiden anderen schliefen. Als der Mann das feine Bettzeug bewunderte, sagte ihm die halb schwarze, halb weiße Jungfrau, er solle es nur mit dem Finger befühlen; aber das Feuer war so mächtig, daß es ihm gleich die Fingerspitze verbrannte. Er ließ sich aber dadurch nicht abschrecken, sondern ging auf die beiden mit Geld gefüllten Kisten zu.

Auf einer Kiste lag eine Schlange, den Schlüssel im Maul, den sie sich willig nehmen ließ. Er öffnete die Kiste, und die halb schwarze, halb weiße Jungfrau sagte ihm, er solle nur nicht mehr nehmen, als er tragen könne, was er auch befolgte.

Heraus kam er ohne Plagen, aber desto mehr hatte er auf dem Hineinweg zu bestehen. Der Teufel erschien ihm in allerlei Gestalten und fuhr auf ihn los; er hatte Durst, und es wurde ihm Trank geboten; aber er nahm nichts, denn alles war nur Blendwerk, um ihn von seinem Vorhaben abzubringen.

Mit den drei Jungfrauen hatte es aber folgende Bewandtnis: Sie waren sehr reich und wollten ihr Gut teilen; zwei von ihnen waren blind und wurden von der bösen, halb schwarzen, halb weißen Jungfrau betrogen. Sie maß nämlich das Geld mit dem Viertelmaß. Bei ihrem Teil machte sie das Maß immer ganz voll; wenn aber die Reihe an die blinden Schwestern kam, kehrte sie das Viertelmaß um, bedeckte bloß den Boden bis zum Rand mit Geld und ließ die Schwestern mit den Händen darüberstreichen, um zu erproben, daß das Maß voll sei. Wegen dieses Betruges ist sie verdammt. Der Teufel peitscht sie mit Ruten, bis die Fetzen von ihr hängen; dann wirft er sie nachts um die zwölfte Stunde in ihr Bett, wo sie augenblicklich wieder ganz wird. Diese Strafe dauert fort, bis alles fortgetragen ist.

 


 

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