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Gutenberg > Alexander Schöppner >

Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 431
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Maria Eich

Von F. A. L. – Maria Eich, nächst Planegg bei München.

            Der Kurfürst eilt zu jagen
Hinaus in den grünen Wald;
Im Schatten grauer Eichen
Ertönt sein Jagdhorn bald.

Die edlen Hunde spüren
Manch schmuckes Wildbret auf,
Die Herren reiten und hetzen
Und schießen mit Lust darauf.

Vor allen aber strahlet
Ein Edelhirsch herfür,
Ein stolzer Zwanzigender,
Die Krone vom Revier.

»Halt ein! Laßt alle andern!
Dem Zwanzigender nach!
Sollt' der uns heut entwischen,
Das brächt' uns ew'ge Schmach.«

Hallo! Wie geht's von dannen,
Hin über Stock und Stein!
Die wackern Rosse fliegen,
Den Hirsch fängt keines ein.

Sie hetzen gute Weile,
Schon sind die Hunde laß,
Der Hirsch mit jungen Kräften
Rennt windesschnell fürbaß.

Vor einer hohen Eiche,
Da hält er plötzlich an
Und sieht mit ruhiger Miene
Die wilde Meute nahn.

»Was ist in die tapfern Rüden
Auf einmal gefahren hinein?«
Sie stehen – o Wunder! – gebannet,
Und keiner wagt sich drein.

Umkreisend der Eiche Schatten
Allsammen schweigen sie still
Und legen zuletzt sich nieder;
»Was da wohl werden will?«

Der Kurfürst schaut betroffen
Und fragend die Jäger an:
»Wie ist uns allen geschehen?
Wer hat es uns angetan?«

Da tritt ein alter Graubart
Entblößten Haupts herfür:
»Beugt eure Knie, ihr Herren,
Auf heiliger Stätte hier!

Dies ist Mariä Eiche,
Seit alter Zeit genannt;
Dort schauet Mutter und Kindlein,
Geschnitzt von frommer Hand.«

Da ward der Wald zum Tempel,
Die Eiche zum Altar;
Es sinket in die Knie
Die ganze Jägerschar.

Die Pferde ohne Regung,
Die Hunde ohne Laut;
Nur leise Lippenbewegung
Die Seele tief erbaut.

So knien sie eine Weile,
Drauf hebt sich der Fürst empor;
Er schaut verehrend das Bildnis,
Gerührt den Hirsch davor.

»Nun dann, du edler Flüchtling,
Sei frei und ohne Fährd',
Nachdem die Gottesmutter
Dir selber Schutz gewährt.

Hiefür laßt diese Stelle,
Uns ihrem Dienste weihn!
Einst möge nur die Heil'ge
Auch uns so gnädig sein!«

Ein Kirchlein ward erbauet
Recht um den Stamm heran,
Er selber sollt' das Bildnis
Geradeso tragen fortan.

Er ragt als Turm darüber
Und trägt der Glocken Getön
Und drauf statt laubiger Krone
Des Kreuzes Immergrün.

Nun ist der Wald ein Tempel,
Die Eiche ein Altar;
Statt Waidgetieres lagert
Dort manche Wallerschar.

Und wo ein Hirsch gefunden
Einst Schutz vor Jägers Erz,
Da findet Hilf und Zuflucht
Manch müdgehetztes Herz.

 


 

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