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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 400
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Wie Albertus Magnus einen Neugierigen strafte

Ein landfahrender Schuhmacher kam einmal nach Köln. Oftmals hatte er von dem großen Wunder sagen hören von Bruder Albert; er dachte nun bei sich: »Sollten all diese Dinge wahr sein, wie möcht' ich sie dann wohl erproben.« Er kam mit seinem Schnappsack zu Bruder Alberts Wohnung und fragte dreist, wo Bruder Albert wäre. Der Knabe fragte ihn, was er wolle. Er sprach, er müßte Herrn Albert sehen und sprechen. Da ging der Knabe zu Albert und meldete ihm, ein Jüngling mit einem Schnappsack wolle ihn sprechen, und er glaube, er kenne ihn wohl.

»Geh hin und frage ihn, was er will, und laß ihn dir seine Botschaft künden, ich habe sogleich mein Werk getan.«

Der Knabe tat so, aber der mit dem Schnappsack sprach: »Ich muß nun einmal mit dem Herrn selber sprechen; geht und sagt ihm das, und ich wolle nicht von hinnen scheiden, ehe ich ihn sah und sprach. Sollte ich Euch mein Geheimnis sagen, warum ich hierherkam? Nein, ich sag's ihm selber, bei Gott!«

Da ging der Knabe und brachte Bruder Albert die Antwort, und dieser ließ den Jüngling vor sich kommen in seine Zelle und fragte ihn, was er wolle.

Der sprach: »Meister, ich habe nun schon manches seltsame Wort über Euch reden hören von Gauklereien und Behendigkeit, und ich komme nun, Euch zu bitten, daß Ihr mir etwas von Euren Künsten zeigt, damit ich dem Gerede glauben könne.«

»Knabe, kamst du darum zu mir und wolltest du darum mich sprechen?« fragte Bruder Albert.

Der andere sprach: »Ja, sicherlich, und heute gehe ich nicht von Euch, es sei denn, Ihr hättet mir etwas von Eurer Kunst sehen lassen.«

Bruder Albert sprach freundlich: »Gib mir deinen Sack; ich will auch nicht, daß du von mir scheidest, ohne etwas von meiner Kunst gelernt zu haben.« Der andere gab Albert den Sack, und der Meister steckte seine Hand hinein, zog sie wieder heraus und band den Sack fest zu, gab ihn dann dem Burschen zurück und sprach: »Nun geh schnell und ohne Weilen nach Hause, aber mach den Sack nicht auf, bis du zu Hause bist, was auch geschehen möge. Wenn du ihn da öffnest, dann wirst du etwas schauen; bind ihn aber wieder fest zu und komm und sage mir, was du gesehen hast.«

Darüber war der andere froh, und er schied von Bruder Albert. Als er eben das Stadttor von Köln im Rücken hatte, da hätte er doch gar zu gern gewußt, was in dem Sack war. Er setzte sich denn hin und knüpfte ihn auf, doch da sprangen zwei stämmige Kerle heraus, von jeder Seite einer, die trugen Leisten in der Hand und gingen dem Burschen brav zu Leibe je länger, je mehr und schlugen ihn so lange, bis er nicht mehr wußte, wo er war. Zuletzt bedachte er sich, daß Bruder Albert gesagt hatte, er müsse den Sack wieder zubinden; das tat er, und sogleich verschwanden die beiden, die ihn so jämmerlich geschlagen hatten.

Als er nun von ihnen erlöst war, da wagte er nicht weiterzugehen, sondern kehrte stracks wieder nach Köln zurück und zu Bruder Albert, dem erzählte er, wie es ihm ergangen war, und bat ihn auch mit vielen Worten, daß er den Sack doch machen möge, wie er zuvor gewesen war.

Da sprach Bruder Albert: »Ich will dich doch noch eine Kunst lehren, damit du noch mehr von meinen Künsten weißt.«

Der Bursche rief aber in großer Angst: »Ach nein, edler Meister, ich bitte Euch um nichts anderes, als daß Ihr diese eine Kunst von mir nehmt; Eure Künste drücken mich allzu stark. Ach, ich bitt Euch, Herr, wollt Ihr das, so will ich nimmermehr eure Kunst begehren; ich bin genug gestraft.«

Da tat der Meister nach des Burschen Wunsch und entließ ihn, und der war gar erfreut darob. Als er aber nach Hause kam, da wagte er noch nicht den Sack selbst zu öffnen, sondern ließ einen anderen das tun, denn die Proben von Meister Alberts Kunst hatte er noch nicht vergessen; er vergaß sie auch nicht sein ganzes Leben lang.

 


 

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