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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 397
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Albertus Magnus von Lauingen (1)

Albert der Große, geb. 1193 zu Lauingen, Dominikaner zu Köln, Paris, Rom, Bischof von Regensburg, gest. zu Köln 1280.

        Die Königin blickt zum Laden aus,
Ein Jüngling stand wohl vor dem Haus,
Sie winkt ihm da,
Daß er sollt' zu ihr kommen.

Der Jüngling kam heimlichen dar,
Er sprach: »Zart, edle Fraue klar,
Kein Mann soll sich
In Eurem Dienst versäumen.«

Da sprach die Königin hochgeborn:
»In meinem Dienst hast du geschworn
Leibeigen dich,
Das sollst du nun erkennen.

Dein' Willen mach dem meinen gleich,
So wird mein Herz ganz freudenreich;
Lieblich Begier,
Die will ich dir bekennen.«

Er wußt' nicht, was sie damit meint,
Sie hätt' sich nah mit ihm vereint,
Sein Freiheit er
Vor ihr nicht konnt' erhalten.

Sie blickt ihm in das Herz hinein.
Meins Leibs mußt du gewaltig sein,
Der Ehren sein,
Hätt' er da kein Gewalte.

Und als der Tag sich anebrach,
Die Königin wohl zu ihm sprach:
»Deins Leibs hab' ich
Begehrt, der ist mir worden.

Geb dich davon, säum dich nicht lang.« –
Gar bald er in die Kleider sprang;
Er wußt' auch nicht,
Daß ihm folgt nach ein Morde.

Sie nahm ihn fälschlich bei der Hand,
Hin auf ein Brett sie ihn da sandt',
Zuckt' an der Schnur,
Das Brett tut mit ihm fallen.

Wohl in ein Wasser ungeheuer,
Darin verdarb der Fromm und Teuer;
Das falsche Weib
Ließ freudig Lachen schallen.

Aus ihrer Lieb' führt nur ein Weg,
Der führte auf den Todessteg;
Die ihr vertraut,
Acht Jüngling noch gar freie.

So waren's mit dem ersten neun,
Die Zahl war ihr noch viel zu klein;
Den zehnten auch
Sucht sie in falscher Treue.

Er war ein hochgelehrt Student,
Ihr Komplexion er gar wohl kennt';
Er wußt' gar wohl,
Sie konnt' ihn nicht betrügen.

Er blickt sie an durch Kunstes Glas,
Er sah, wie sie naturet war.
Er warb um sie,
Ihr List mußt' ihm erliegen.

Er zwang ihr Herz mit seiner Kunst,
Er zwang ihr Herz in Liebesbrunst,
Die Königin
Wollt sehnlich ihn umfangen.

Da sagt er ihr ein hartes Wort;
»Neun Jüngling seh' ich schweben dort,
Die warnen mich,
O Weib, das bringt mir Bangen.

Ein Wasser brauset unter mir,
Dein Bett ein böses Schifflein schier,
Will schlagen um,
Will jenen mich gesellen.

Du führest falsche Segellein,
Du glaubst, ich soll der zehnte sein,
Du Mörderin
Willst töten mich in Wellen.«

Groß Zorn das Weib der Red' empfand,
Sie ließ ihm binden Fuß und Hand.
»Ihr Diener mein,
Tut mir den Mann ertränken.«

Er blickt sie an, ganz still Gemüt,
Er wußt' wohl, daß er war behüt'.
Man hob ihn auf
Und wollt' ihn schon versenken.

Da brachen seine Strick' zur Stund'.
Er sprang hinab frei und gesund.
Im tiefen See
Konnt' er gar lustig schweben.

Ganz aufrecht als ein Federbolz
Trat er darin das Wasser stolz;
Wer ihn ermord't,
Dem will sie sich ergeben.

Des faßt manch böser Knabe Lust,
Manch Armbrust zielt nach seiner Brust;
In Vögelein
Die Pfeil' sich da verkehren

Und schwebten um ihn auf und ab.
Die Königin rief da herab:
»O hätt' ich dich,
Ich wollt' dein Kunst zerstören.«

»Frau Königin«, er zu ihr sprach,
»Ich trage um neun Knaben Rach',
Neun Vögelein
Die Pfeil' sich um mich schwingen.

Nach einem Wald steht mir mein Sinn,
Darin ich Euer Vogler bin;
Soviel ich fang',
Von Euch lehr' ich sie singen.«

Da schwang er sich zum Wald hinan,
Ihm sahen nach viel Weib und Mann;
Die Königin
Ward bleich an ihren Wangen.

Er setzt sich in den grünen Plan,
Viel Vögelein sich zu ihm nahn;
Mit Listen braucht
Er keinen nicht zu fangen.

Er schwang sich in die Lüfte klar,
Um ihn die laute Vogelschar,
Ließ nieder sich
Auf eines Turmes Zinne.

Den Vöglein in die Schnäbel band
Er Brieflein ab, darinnen stand:
»Neun mordete
Die Königin um Minne.«

Die flogen wohl durch Stadt und Land,
Man fing sie alle mit der Hand.
Da ward die Schand
Wohl allen offenbare.

Ein Vogel bunt in Sonderheit,
Des hätt' die Königin ein Freud',
Sie griff nach ihm,
Er setzt sich auf ihr Haare.

Er ließ ihr fallen auch mit List
Den Zettel zwischen ihre Brüst'
Und flog von dann';
Da las sie ihre Schande.

Das Zettelein sie da zur Stund'
Zerriß mit ihrem roten Mund;
Wohl hin und her
Sie ihre Händlein wandte.

Ihr Schuld kam da wohl klar an Tag,
Der Künstler führt die erste Klag'!
»Frau Königin,
Albertus ist mein Namen.

Albertus Magnus heiße ich,
Sanktus nennt auch die Kirche mich,
Du hast um mich
Dein Buhlerkunst verloren.

Ein weiser Meister heiße ich,
Du wolltst im Zorn ertränken mich.«
Da schrie sie laut:
»O weh, daß ich geboren!

O weh, daß ich geboren bin«,
Schrie da die edle Königin,
Verzweifelung
Kam da in ihre Sinnen.

Albertus macht sie da wohl zahm,
Sie stand vor ihm in großer Scham,
Er red't zu ihr
Und ließ sie Mut gewinnen.

Zur Hand gewann sie Reu und Leid,
Zerriß ihr königliches Kleid
Und legt sich an
Wohl einen grauen Orden.

Albertus lehrt sie in der Beicht',
Wie sie Versühnung wohl erreicht –
Mit strenger Buß,
Um ihre Schuld und Morden.

Vor ihrer Zell' wohl achtzehn Jahr
Neun Vögel sangen traurig gar,
Den gab sie Speis',
Und weinet bitterlichen.

Und da die Zeit verstrichen war,
Da waren es neun Engel klar,
Die führen sie
Wohl in das Himmelreiche.

 


 

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