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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 395
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Der seltsame Gast

Unter der Regierung des Sohnes des Siegers bei Giengen, Georgs des Reichen, soll sich folgendes zugetragen haben. Zwei alte Leute wohnten zu Lauingen, doch obwohl sie ihr ganzes Leben lang rastlos gearbeitet und gespart hatten, waren sie dennoch auf keinen grünen Zweig gekommen, und der Mann mußte, wenn er nicht im Winter frieren wollte, sein Holz im Wald selbst suchen.

So war er eben einmal wieder in das Holz gegangen und wollte bei einer großen alten Eiche einen starken Ast aufheben, als vom Baum weg eine Schlange sich langsam herbewegte. Erschrocken ließ er den Ast fallen, um den sich nun die Schlange wand. Der Mann wollte das große Stück Holz nicht gern im Stiche lassen und versuchte das Tier auf jegliche Art zu verscheuchen; doch es gelang ihm nicht, und auch am folgenden Tag sah er die Schlange wieder auf dem Ast, und als er diesen mutig anfaßte, bewegte sie sich schmeichlerisch mit dem Kopf gegen seinen Arm. Schnell schleuderte er den Ast weg und ging nach Hause, indem er sein unweit liegendes Reisigbündel auf die Achseln nahm.

Zu Hause wollte er eben seinem Weib das seltsame Ereignis erzählen, als sie ihn mit dem Ausruf: »Herr Jesus, was ist das?« unterbrach; und siehe da – die Schlange war aus dem Reisigbündel gesprungen und spielte mit der Hauskatze. – Die guten Leute glaubten nun steif und fest, die Schlange müsse einst ein Mensch gewesen sein, und eines Verbrechens wegen müsse nach dem Tod dessen Seele in den Tierleib gebannt worden sein.

Das Tier erhielt von ihnen Nahrung und lebte friedlich und harmlos mit ihnen. Aber wunderbar – mit ihm schienen wirklich Glück und Segen in die Hütte des Armen gezogen zu sein. Er erhielt reichlichen Taglohn, und wenn er etwas verkaufte, war sein Erlös weit größer, als erwartet werden konnte. Die beiden Leutchen mußten sich bald nicht mehr so plagen und lebten noch lange glücklich und zufrieden. Als sie aber starben, war die Schlange verschwunden, und niemand wußte, wo sie hingekommen war.

 


 

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