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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 392
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Der Rasch

Vor langer Zeit war im Dienste der Stadt Lauingen ein Holzwärter namens Rasch, der jedoch bei dem ihm anvertrauten Amt nicht mit der Treue und Gewissenhaftigkeit zu Werke ging, wie es Recht und Pflicht von ihm verlangten, sondern auf alle mögliche Weise Betrügereien trieb. Dafür soll nun sein Geist nach dem Tod keine Ruhe haben und bis auf den heutigen Tag in dem Ort seiner zeitlichen Frevel wandernd gesehen werden.

Ein Glaubwürdiger erzählte davon folgendes: Er war mit seiner Hausfrau in dem Wald, die Flicken genannt, um Streu zu sammeln. Im Eifer der Arbeit verloren sie sich allmählich tiefer in den Wald, bis sie an die Grenze des Stadtholzes kamen und der Mann einen Schatten vor sich erblickte.

Er blickte auf, da stand ein Mann im Gesträuch, den unser Bürger freundlichst grüßte, ohne jedoch einer Antwort gewürdigt zu werden. Darüber verwundert, betrachtete er den Fremden näher und fand, daß sich eigentlich kein Gesicht, sondern nur eine Art Nebel an dessen Stelle befand. Grauen und Entsetzen überkamen ihn nun, und er rief: »Jesus, Maria und Josef; was ist das?«

Und kaum hatte er diese Worte ausgesprochen, so war die Erscheinung spurlos verschwunden und schien in das in der Nähe befindliche Altwasser hineingefahren zu sein, denn dessen ruhige Oberfläche tobte auf einmal hochauf, und ein Wirbelwind erhob sich, der die Bäume des Waldes zu entwurzeln drohte, aber sich ebenso schnell wieder legte, als er entstanden war. Der Bürger eilte nun zu seinem Weib, das alles bemerkt hatte und ausrief: »Gottlob, Mann, daß du kommst, ich habe den Rasch auch gesehen!«

Die Hirtenbuben auf dem Spitalhof haben ihn, wenn sie nächtlicherweile hüten mußten, oft erblickt, und einer von ihnen höhlte daher einen hohlen Weidenbaum noch weiter aus, bis er seine Person darin verbergen konnte, und dahinein verkroch er sich, sooft brüllend das Vieh in der Mitternachtsstunde davonlief und die unheimliche Gestalt heranzuwandeln begann. Sie soll ein dreieckiges Hütchen, ein enges Kamisol und hohe Stiefel getragen haben, wie man sich in alten Zeiten kleidete. In neuerer Zeit soll sich der Rasch nicht mehr gezeigt haben, aber mehrere Jäger, die in den Altwässern des oberen Holzes auf dem Anstand waren, wollen ihn zum größten Mißvergnügen gehört haben, und zwar auf dem Wasser herumschlagend – was sie zwang, ohne Beute nach Hause zu gehen.

 


 

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