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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 374
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Die jungen Grafen von Rothenburg

Richard, Graf von Rothenburg, hatte auf einem Berg eine Feste erbaut, die er Comburg (d. i. Kochenburg) nannte. Als er gestorben war, lebten seine drei Söhne Burkhart, Heinrich und Rugger (der vierte, Einhart, war Mönch geworden), wie junge Gesellen pflegen, in aller Eintracht und Fröhlichkeit beisammen. Unfern der Burg stand eine kleine Kapelle, bei der ein alter Eichbaum seine Zweige ausbreitete. Unter seinem Schatten saßen zur Sommerszeit gar oft die jungen Grafen mit anderen edlen Jünglingen und erfreuten sich der lieblichen Luft.

Einstmals schlief Graf Burkhart unter diesem Baum ein und sah im Traum an der Stelle seiner Burg ein prächtiges Münster und eine Gestalt in priesterlicher Kleidung, die es mit einer Rute in zwei Klöster trennte. Dieses Traumgesicht erzählte er seinen Brüdern, die es sehr bedenklich fanden. Alsbald mehrten sich die Wunderzeichen von allen Seiten. Eine alte, heilige Frau wollte dasselbe Gesicht gesehen haben wie der junge Graf.

Im Dorf Hessental läuteten in der Christnacht die Glocken von selbst, so daß alle aus dem Schlaf fuhren, und als sie nach Steinach zur Mette gehen wollten, sahen sie auf der Comburg viele brennende Kerzen und hörten Choräle singen. Da meinten sie, in der Burgkapelle werde Mette gehalten, gingen hinauf und schlugen an die Tür, um auch eingelassen zu werden. Da war alles plötzlich weg, und die Wächter lagen im tiefen Schlaf.

Am Osterfest, als in der Kapelle die Benediktiner aus Hall, die die Liturgie sangen, zu der Stelle kamen: »... infunde unctionem tuam«, fühlten sich die drei Brüder plötzlich zu Tränen gerührt, gingen hinaus unter die Eiche und dachten im Ernst daran, ein Münster zu bauen. Eine Aufforderung Kaiser Heinrichs IV. an die Grafen, ihm in den Sachsenkrieg zu folgen, zerschlug die Sache wieder. Burkhart, der daheimblieb, nahm einstweilen eine Anzahl geistlicher Brüder von St. Jakob in Hall zu sich, die ihm die Horen singen mußten.

Als nun Rugger aus dem Feld zurückkam und mit wenigen Getreuen nach Rom ging, seine Kriegsleute aber daheim ließ, da gab es ein wunderliches Leben zu Comburg. Stimmten die frommen Brüder ihre geistlichen Gesänge an, so hoben die wilden Gesellen Ruggers ihre Kriegs- und Jagdlieder an und spotteten jene aus. Gern hätte Burkhart die Leute seines Bruders ausgetrieben, sie erklärten aber, ohne Befehl ihres Herrn nicht zu weichen.

Da ließ er einstmals, als die Kriegsmänner im Freien lagen und sich sonnten, durch einige Getreue die Tore schließen. Die Reisigen begehrten die Pforten einzubrechen, sie waren ihnen aber zu fest. Burkhart ließ ihnen aber ihre Kleider über die Mauer hinauswerfen, und als sie zu stürmen versuchten, trieben sie die Mönche mit Steinen ab. So wurde Comburg ein Kloster.

Rugger starb auf der Wallfahrt nach Jerusalem, und auch der jüngste, Heinrich, wurde ein Domherr, zuletzt Bischof zu Würzburg. Von ihrem Erbe wendeten die Brüder einen guten Teil dem Kloster Comburg zu, und selbst die Rothenburg wäre mit dem Rest an dieses gefallen, wenn Heinrichs letzte Verfügung zum Vollzug gekommen wäre.

 


 

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