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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 367
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Niederschönenfelds Entstehung

Graf Berthold von Graisbach zog mit dem Kaiser ins Heilige Land. Auf dem Rückweg landeten die Kreuzfahrer auf der Insel Zypern. Hier gewann der junge Graf des Inselkönigs reizende Tochter lieb, entführte sie und kehrte mit ihr heim in die väterliche Burg, die auf steiler Höhe da, wo der Lech seine Fluten mit der Donau vereint, in das Land hinausschaute. Dort hauste er manches Jahr mit seiner Adelheid in glücklicher Ehe; doch nicht ungetrübt war sein Glück. Der Fluch des greisen Vaters, dem er die Tochter geraubt hatte, schreckte ihn oft wie ein Gespenst aus seinen seligen Träumen.

Eines Tages ging er dem Waidwerk nach und verfolgte einen Hirsch auf dem rechten Donauufer. Erhitzt und müde ruhte er unter einer Linde aus und versank in Schlummer. Da erschien ihm, von himmlischem Glanz umflossen, im Traum die Himmelskönigin und hieß ihn zur Sühne seiner Freveltat ein Kloster bauen, wo fromme Jungfrauen ihres göttlichen Sohnes Preis singen sollten. Zum Wahrzeichen sollten da, wo er sein Käpplein finden würde, Kirche und Zellen erstehen.

Der Graf erwachte und vermißte sogleich sein Barett. Des Traumbildes eingedenk durchforschte er die Gegend und fand es auf einem Feld seiner Burg Lechsgemünd gegenüber, wo er auch sofort das Kloster erbaute. Lange war dieser Vorfall in einer marmornen Tafel mit goldenen Buchstaben in der Klosterkirche zu lesen.

Als die Schweden 1646 über Donauwörth wiederholt nach Bayern vordrangen, verließen die Nonnen ihr Kloster und begaben sich auf die Flucht. Die Laienschwester Eva hatte in ihrer Zelle ein Kruzifix, das sie mit besonderer Andacht verehrte, weil es ein Geschenk ihres Pfarrers war, der sie zum Klosterleben gebildet hatte. Beim Einpacken der unentbehrlichsten Geräte zur Flucht konnte sie ihr Kruzifix nicht mitnehmen, trug es daher in die Küche und verbarg es unter dem Herd mit den Worten: »Nun, lieber Heiland, rette dich selbst!« Aus einer Eierschale, die sie mit Brennöl füllte, verfertigte sie eine Lampe, zündete diese an und stellte sie neben das teure Bild.

Als nun die Schwester nach zwei Jahren wieder zu dem abgebrannten Kloster zurückkehrte, fand sie das Kruzifix unversehrt, die Haare und den Bart gewachsen, die Lampe brennend und selbst das Öl unvermindert. Das Kruzifixbild wurde in der neuen Kapelle aufgestellt und blieb dort der Verehrung ausgesetzt.

 


 

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