Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Alexander Schöppner >

Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 355
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
Schließen

Navigation:

Der Einaug (1)

Von Ludwig Schandein. – Westricher Mundart. – Ramberg bei Annweiler

              Dort drei' in de Berje steht 's Ramberjer Schloß,
Do reit mit seim Knecht der Herr Enah druflos,
Der scheint dr im Schild was ze fehre.

Dem Ramberjer Schloßherr, dem is er net hold,
Hot der jo vum Kaiser sei' Geld un sei' Gold,
Wie mahn das der Enah verbeiße?

»So horch emol an, du trausamer Knecht:
's hot heunt mer geträmt, ich weß net so recht,
Als müßt ich de Geldschatz dort hewe!

Es summt mer die Stimm als noch immer im Ohr:
›Ja dummel dich dabber, ke Zeit nor verlor!‹ –
Drum du ah, mei' Knecht du, das Deine!«

Dem Knecht is gedient mit, er saht's em ah glei,
Do wär er mit Leib un mit Lewe debei,
Dem Ramberjer 's Licht auszeblose!

So stehn se dann drowe, es rappelt am Dor,
Kummt freundelich selwer der Schloßherr evor,
Er dut se ufs beschte bewerte.

's leit alles schun schlofe, die Auhe fescht zu,
Der Ramberjer Herr, der findt heut nor ke Ruh,
Es dur en im Schloß erumtreiwe.

Un ewe blost's zwölfe vum Torn in die Nacht;
Er kniet im Kapellche un bet' noch un wacht –
Dann sucht er beruhigt sei' Kammer.

»Ei sah mol, was is das? Noch Licht bei meim Gascht?
Was macht dem so Ängschte, was macht em so Prascht?
Er werd sich doch wärlich net ferchte?«

So schleicht er ans Fenschter, er nei'gucke dut:
Herr Jeres – der Enah, dort leit er im Blut!
Sei' Knecht, ach, der hebt noch das Messer! –

»Du Mörder, du Henker, du höllischer Hunn,
Du kummscht mer net wegger do glei uf die Stunn,
Do sollsch de dei' Dalles noch krieje!«

»O Gnad un Erbarme!« der ferschterlich grinzt.
»Mei' Herr hot de Strech uf Euch jo gemünzt,
Ich ham mich geerrt in der Kammer!«

Der Ramberjer geht wie e Fackel do an:
»Des hot mer e Fingerzeg Gottes gedan!«
Er fallt uf die Knie for ze danke.

Der Mörder muß wegger, muß blöde dann geh,
Vum Enah sei' Schloß awer sieht mr nix meh,
Doch 's Ramberjer, lang hot's gedauert.

So trefft dann sell Sprichwort ah do wierer ei':
Wer annre die Grub grabt, fallt selwer enei!
Hätt' das der Herr Enah bedabbelt!

 


 

 << Kapitel 354  Kapitel 356 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.