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Gutenberg > Alexander Schöppner >

Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 351
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Die Entführung

Von C. Aulenbach. – Einöd, Dorf bei Zweibrücken.

              »Dich tät' ich mir erküren
Im Herzen treu und wahr;
Kein andrer soll mich führen
Einst hin zum Traualtar.
Und sollt' ich dein vergessen,
Dann hol' der Teufel mich!«
So redete vermessen
Zum Buhlen Dieterich

In schmachtendem Verlangen
Des Dorfes schönste Maid.
Kaum daß ein Mond vergangen,
Hat sie das Wort gereut;
Nicht achtend Dietrichs Schmerzen,
Hat sie den Schwur verletzt
Und schenkte Hand und Herzen
Dem reichen Steffen jetzt.

Was jubelt man und leiert?
Was blinkt – welch Festgelag'?
Des Dorfes Schönste feiert
Heut' ihren Hochzeitstag.
Wie regen sich die Füße
Zum Tanze allzumal!
Wie schwirrt's von bunten Grüßen
Im vollgedrängten Saal!

Man weilt, bis ihre Runde
Die Schar der Geister wallt –
Da um die zwölfte Stunde,
Die dumpf vom Turm erschallt,
Schritt durch die offne Pforte
Ein seltsam schwarzer Gast,
Der drauf bei diesem Worte
Die scheue Braut erfaßt:

»Hei, Liebchen mein, zum Tanze
Hab' ich dich heut' ersehn!
Wie schmuck im Flitterglanze
Im Haar die Kränze wehn!
Dich tät' ich mir erküren,
Drum weg mit Furcht und Graus;
Ich will dich heut' noch führen
Zu eigen in mein Haus.«

Und Arm in Arm durchzogen
Sie schleifend das Gemach;
Dem seltnen Tänzer flogen
Die Blicke aller nach.
Da fielen – grausig Wunder!
Wie seltsam es geschah –
Die Kleider ihm herunter:
Herr Satanas stand da.

Mit Schweif und Pferdefüßen
Und Hörnern stand er da,
Die wilden Blicke schießen,
Blitzflammen fern und nah.
Es bleicht Entsetzen alle;
Doch zu dem düstern Ort
Durchs Fenster aus der Halle
Huscht er mit jener fort.

Und rings erfüllt das Zimmer
Ein ekler Schwefelduft,
Hohnlachen, mit Gewimmer
Vermengt, durchrauscht die Luft;
Betroffen stehn die Leutchen
Ob dem, was da geschehn;
Den Tänzer und sein Bräutchen
Hat keiner mehr gesehn.

Wo dies sich zugetragen,
Im grünen Erbachgrund,
Sieht man in Einöd ragen
Das Haus noch diese Stund'!
Das Fenster ist vermauert,
Der Wandrer, der es sieht,
Von Angst und Furcht durchschauert
Fürbaß des Weges zieht.

 


 

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