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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 339
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Der Lindenschmied

Volkslied. – Sage von Frankenthal.

                  Es ist nicht lange, daß es geschah,
Daß man den Lindenschmied reiten sah
Auf einem hohen Rosse.
Er reitet den Rheinstrom auf und ab;
Er hat's gar wohl genossen.

»Frisch her, ihr lieben Gesellen mein!
Es muß jetzt nur gewaget sein;
Wagen, das tut gewinnen;
Wir wollen reiten Tag und Nacht,
Bis wir die Beute gewinnen.«

Dem Markgrafen von Baden kam heute neue Mär,
Wie man ihm ins Geleit gefallen wär' –
Das tät ihn sehr verdrießen.
Wie bald er Junker Casparn schrieb:
Er sollt' ihm ein Reislein dienen.

Junker Caspar zog 'm Bäuerlein ein Kappen an,
Er schickt' ihn allzeit vornedran,
Wohl auf die freie Straßen,
Ob er den edelen Lindenschmied fänd':
Denselben sollt' er verraten.

Das Bäuerlein schiffet über den Rhein,
Es kehrt zu Frankenthal ins Wirtshaus ein:
»Wirt, haben wir nichts zu essen?
Es kommen drei Wagen, sind wohl beladen,
Von Frankfurt aus der Messen.«

Der Wirt, der sprach dem Bäuerlein zu:
»Ja Wein und Brot hab' ich genug!
Im Stalle, da stehen drei Rosse,
Die sind des edlen Lindenschmieds,
Er nährt sich auf freier Straßen.«

Das Bäuerlein gedacht' in seinem Mut:
Die Sache wird noch werden gut,
Den Feind hab' ich vernommen.
Alsbald er Junker Caspar schrieb,
Daß er sollt' eilends kommen.

Der Lindenschmied hätt' einen Sohn,
Der sollt' den Rossen das Futter tun,
Den Haber tät er schwingen:
»Steht auf, herzlieber Vater mein!
Ich hör' die Harnische klingen!«

Der Lindenschmied lag hinterm Tisch und schlief,
Der Sohn, der tät so manchen Rief,
Der Schlaf hat ihn bezwungen:
»Steht auf, herzliebster Vater mein!
Der Verräter ist schon gekommen.«

Junker Caspar zu der Stuben eintrat,
Der Lindenschmied von Herzen sehr erschrak.
»Lindenschmied, gib dich gefangen!
Zu Baden an dem Galgen hoch,
Daran sollst du bald hangen.«

Der Lindenschmied war ein freier Rittersmann,
Wie bald er zu der Klingen sprang:
»Wir wollen erst ritterlich fechten!«
Es waren der Bluthund allzuviel,
Sie schlugen ihn zu der Erden.

»Kann und mag es denn nicht anders sein,
So bitt' ich um den liebsten Sohne mein,
Auch um meinen Reitersjungen;
Haben sie jemanden Leids getan,
Dazu hab' ich sie gezwungen.«

Junker Caspar, der sprach nein dazu:
»Das Kalb muß entgelten der Kuh,
Es soll dir nicht gelingen!
Zu Baden, in der werten Stadt,
Muß ihm sein Haupt abspringen!«

Sie wurden alle drei nach Baden gebracht,
Sie saßen nicht länger als eine Nacht;
Wohl zu derselben Stunde,
Da ward der Lindenschmied gericht't,
Sein Sohn und Reitersjunge.

 


 

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