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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 329
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Der Nonnenfelsen

Nonnenfels unweit Hardenburg bei Dürkheim.

Einer der Grafen von Hardenburg, ein rauher und wilder Mann, hatte eine Tochter Adelinde, ein Bild zarter Weiblichkeit und edlen Sinnes. Sie entbrannte in heißer Liebe für einen edel gesinnten Jüngling, der als Knappe bei ihrem Vater diente. Stilles Glück beseligte die Liebenden, bis der Graf durch einen Zufall das Geheimnis entdeckte. Kaum konnte der unglückliche Knappe sich der Wut seines Herrn durch eilige Flucht entziehen. Adelinde aber hatte die ganze Härte seines Zorns zu tragen, und endlich sollte sie sich gegen ihren Willen an einen Ebenbürtigen seiner Wahl vermählen.

Um diesem Geschick zu entgehen, nahm sie den Schleier, und zwar um so lieber, da sie die Trauerkunde erhalten hatte, daß Ruprecht, der Erwählte ihres Herzens, im Morgenland den Tod im heiligen Krieg gefunden habe. In einem Kloster weinte sie ihren Schmerz aus und teilte ihre Zeit zwischen Gebet, Wohltun und Pflege der Kranken. Doch ihre teure Heimat konnte sie nicht vergessen, und begleitet von einer treuen Freundin kehrte sie in das Tal zurück, wo sie ihre glückliche Jugend verlebt hatte. Hardenburg gegenüber errichtete sie auf einem Felsen ihr bescheidenes Hüttchen, und bald verbreitete sich der Ruf der hilfreichen, heilkundigen Nonne in der ganzen Umgegend; nur der rauhe Graf beachtete sie nicht.

Da vernimmt sie plötzlich, daß ihr Vater auf der Jagd eine schwere Wunde erhalten habe und daß alle Mittel, seine Schmerzen zu lindern und seine Wunden zu heilen, vergeblich seien. Dem Drang des edlen Herzens folgend, besteigt sie die Stammburg ihres Geschlechts und rettet das Leben des Vaters, der sie darauf erkennt, die ganze Größe seines Unrechts bereut und ein neues, besseres Leben beginnt. Er suchte durch alle möglichen Bitten Adelinde zur Rückkehr nach Hardenburg zu bewegen, doch sie blieb auf ihrem Felsen und widmete auch den Rest ihres Lebens dem Wohltun und dem Beglücken ihrer Mitmenschen.

Noch zeigt man den Altar, an dem sie ihr Gebet zu verrichten pflegte, und die Vertiefungen, in denen die Tür ihrer dürftigen Hütte befestigt war.

 


 

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