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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 322
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Die Weinprobe zu Wachenheim

Von Ludwig Schandein. – Pfälzisch.

            Bei Derkem isch Limborg uf herrlicher Höh,
Do liche vum Kloschter 'noch Reschter;
Do wachst dr e Tröppel, e Schöppel – herrjeh,
Das packt nit im Trinke e Meschter.

Es war mol e Abt do, der Abt war geschickt –
's isch wohr, un ich mach euch ke Faxe –
Der hot was studiert un raus dann ach krikt:
Der Wei wär zum Trinke gewachse!

Beim Studium muß ach die Praxis noch sei,
Do sicht mr, ob ener e Fax isch;
Mei Abt awer kennt bis ins Dippelche nei
Jed Plätzel wu's Tröppel gewachs isch.

De Grund will er sehne, daß 's gründelich geht,
Do dorscht er un forscht er un hokt er
Vun früh an bis spot; e Weifakultät,
Die gäb em das Prämje als Dokter.

Un 's war ach se Wachrem e Weiwert gewest,
Den dut es gewaltig scheniere,
Daß er dr im Trinke nit Owerfax hest;
Er mögt's mit dem Abt mol prowiere.

Do sprecht emol owends mei Abt bei em ei,
Grad hocken die Brüder am Humpe;
»Aha«, denkt der Wert, »kann's schöner denn sei?
Do hoscht en, itz loß dich nit lumpe!«

»Gehorscham... Herr Abt, isch wohr, was mr sächt:
Er wären ›im Weiberg‹ Professer?
's Exame muß sei, un isch es Euch recht,
So wett' ich, ich mach es viel besser!«

Der Wert, der isch piffig, wie 'n Wert immer isch,
Der hot sich's ganz fei ausgefingert,
Er sächt: »Trink ich de Herr Abt unnern Tisch,
Isch zehntfrei uf ewig mei Wingert.

Doch zich ich de korze – 's werd numme nit sei –,
Ich kann jo nit offener spreche:
Do zahl ich en doppelt, der Wingert geht drei,
Die Männer do därfe nix bleche!«

Herngege der Abt: »Wann's umgekehrt isch,
Isch freilich der Wingert mei ege;
Ehr Männer vun Wachrem, Ehr hören's am Tisch,
Ehr zechen uf uns zwe – als Zege!

Doch daß mr dut sehne, ob's richtig werd sei,
Do horche noch numme e Wörtel:
De Männer do schenkt mr die Humpe als ei,
Doch uns zwe, uns meßt mr mit – Vertel!«

Die Wett isch gemacht. Itz reit mr im Trapp,
Wie krese die Kanne, die Humpe!
Die Kellerborsch lafe die Be' sich ball ab,
's dät nötig, die Faß auszepumpe.

Das isch dr e Lewe, das klingelt un tönt,
Das isch e Gekrisch un Gezäwel!
Schun häwe die Männer ehr Dachstubb verlehnt,
Un ball isch verlehnt ach der Gewel.

Die sinn itz marode, der Abt hot sei Spitz,
Mächt Ägelcher kle un so selig;
Der Wert steht noch fescht do als Mann an der Spritz,
Der trinkt noch sei Stümmel ganz fröhlich.

Der Abt isch marode, der Wert awer lacht,
Mr füllt em sei Vertel vun frischum;
Der Teuxel, hot der wul Guschmugge gemacht?
Der Abt – der fallt plumps dich vum Tisch um!

Mr schleppt en ins Bett... der Mittag isch do,
Er dut sich die Äge noch reiwe;
Der Abt hot's verlore – sei Zehnt bot die Gro;
Er muß sich dem Wert noch verschreiwe. –

Na gläw'ner ich gläb es? Ich gläb numme das:
Der Abt hätt die Wett nit verloren
Dann Meschter se packe, das isch dr ke Spaß,
Doch Wert häwen's hinner de Ohre.

Wer gläbt dann so 'n Märel, derweil dann? O jeh,
Wer hätt's em Wert üwelgenumme?
Ich gläb 's isch nit unrecht, doch maß mr versteh,
Dorch Späßel sei Recht ze bekumme.

 


 

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