Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Alexander Schöppner >

Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 321
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
Schließen

Navigation:

Schloß Hambach

Von K. F. Schuler.

        Stand ein Schloß mit hellen Zinnen,
Fried' und Freude wohnten drinnen,
Kaiser Heinrich hat's erbaut,
Daß er von der Haardt geschaut
Schöne Pfalz am Rheine.

Glich das Schloß des Vaters Throne
Und des Kaisers schönster Krone;
Denn das Land lacht als ein Kind,
Frührot malt als Hyazinth
Und Rubin die Firste.

Stand das Schloß mit hellen Zinnen,
Fried' und Freude wohnten drinnen,
Als ein Bauernhaufe kam
Und das Schloß mit Hoffart nahm
Und mit Sens' und Gabeln.

Haben seinen Herrn gefangen,
Samt den Dienern aufgehangen
Und die Tochter vom Gebet,
Da zum Heiland sie gefleht –
Helden gleich! –, gerissen.

Gottes Buch stand aufgeschlagen:
Konnten sie's zu küssen wagen? –
Jeder hat das Buch geküßt;
Freiheit hab' ein jeder Christ,
Gleich sei'n Herrn und Bauern.

Und von Dörfern nah und weite
Klang in Türmen hell Geläute,
Doch Geläut nicht friedenvoll,
Sondern Aufruhr, Bauerngroll,
Nicht Geläut zur Kirche.

Und die Jungfrau ward gerissen
Zu des Kellers Finsternissen;
Leuchten mußt' aus jedem Faß
Wein, zu löschen Bauernhaß
Gegen alle Herren.

Selber sind die Herren worden.
Wollten gern doch alle morden,
Und sie ließen leben sich,
Taten herr- und gütiglich
Vor dem größten Fasse.

Dieser hielt die Maid umschlungen,
Die geweinet und gerungen;
Jene tanzten um den Wein,
Rieslingdüfte, würzig fein,
Jauchzten hoch und sanken.

Andre schrien auf dem Spunde:
»Bratet, hängt die großen Hunde!
Das ist Rechtens – Christentum!
Brot und Wasser machen dumm!
Wein, ihr Herren, Wein her!«

Sie erklärten die Novellen
Und vergaben Amtmannsstellen,
Legten sich die Bibel aus,
Tranken auch nicht übel aus
Nebenbei, als Herren.

Einer schlief und sah im Traume
Weib und Kind an Hütt' und Baume,
Trank mit ihnen Wasser klar,
Bot vom Kuchen freundlich dar,
Kuß auch Weib und Kinde.

Und zur Kirche hört' er läuten
Und darin die Worte deuten:
»Wer der Kleinste unter euch,
Ist der Größt' im Himmelreich.«
Hört' es nur im Traume.

Und er sah sich selbst – zufrieden,
Von dem falschen Stolz geschieden,
Wetzend in der Wiese stehn
Und in Blumen, Kräutern mähn,
Sah es nur im Traume.

 


 

 << Kapitel 320  Kapitel 322 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.