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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 318
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Teuffel, die sich für Münch ausgeben

Von Georg Sabinus.

          Ein Stadt am Rhein alt und bekandt,
Mit Namen Speyr ist sie genannt,
Dem Wormser boden sie nah leit,
Mit Mauren fest sehr wol gefreyt.
Man sagt, es haben Nemetes
Vor Zeiten da gehabt ihrn seß!
Auch seynd auß Franken hochgeborn
Vier Hertzög in der Stadt verschorn,
Cäsar daselbst der tapfer Heldt,
Sein lager hatt in freyem feldt,
Daher jhr Nam Speyer genannt,
Den Griechen ist gar wol bekandt!
Alda sein sitz ein Burger hett,
Mit fischen er sich nehren thet:
Sein Nahrung sucht er bey der nacht
Im Rhein mit garn darzu gemacht.
Als er sich aber auff ein zeit
Bey nacht zu fischen hett bereit,
Kam zu ihm an das Ufer dar
Ein Man den er nit kennet zwar,
Ein schwartze kutten trug er an,
Wie man sieht daß die Münche han,
Den Bruder grust nach alter weiß
Der Fischer, forscht nach seiner reiß,
Daß er sich hett bei eitler nacht
So schnell zu reisen auffgemacht.
Er sprach: »Ich kom ein Bott von fer,
Schnell vber Rhein ist mein beger,
Der Fischer sagt, Tret zu mir ein,
Ich wil dich führen vber Rhein,
Als sie nun waren vbergfahrn
Fünff ander Münch behend da warn,
Der Fischer grüst sie mit bescheidt,
Fragt wo doch her gieng jhr geleidt,
Daß sie der Zeit nicht hetten acht,
Vnd reisten so bey eitler nacht.
Der ein münch sprach, die not vns treib,
Bey nacht zu retten vnsre Leib.
Denn alle welt die ist vns feindt,
Dieweil wir Gottesdiener seindt.
Was geistlich heist, das wird veracht,
Hie niemandts ist der solchs betrachte
Die Welt vns gern auch gar thet hin,
Wenns ihr gelüng nach ihrem sinn,
Weil wir dann manchem nütz gewest,
So sey du wieder freundt der best,
Vnd nehm vns in den nachen dein,
Führ vns in eil hin vbern Rhein.
Fur solche trew dir desto mehr
Zu lohn an fischen Gott bescher,
Der Fischer sprach, ja jr redt wol;
Sagt wer mir mein lohn geben soll,
Du weist, sie sprachen, wies jzt steht,
Daß schmal vnd dürr genug zugeht.
Den heutigs tags gemeine Leut
Den München geben keine beut,
Den Opfferpfenig helt man ein,
Weil einigkeit wil thewer seyn.
Doch dankbarkeit du spüren solt,
Wann Gott vns wieder wird seyn holdt;
Als dann wir für dein arbeit schwer
Dir geben wöllen desto mehr,
Darauff der Fischer stieß von landt
Den nachen mit sein thewren pfandt:
Als nun der Nachen fürbaß gieng,
Ein Wetter sie gar schnell vmbfieng.
Die finstern Wolken deckten gantz
Die hellen Stern mit jhrem glantz,
Der Wind tobt schrecklich vmb das Schiff,
Groß regen auch mit vnterlieff,
Das Nächlein schier bedecket war
Mit Wasserwellen gantz und gar,
Sein farbe dem Fischer gleich entfiel
So gar, als wenn jtzt wer sein Ziel.
Sprach bey sich in dem vngemach,
Was mag doch das seyn für ein sach?
Kein regen ich gemerket hab,
Da sich die sonn begab hinab;
So ist kein schwalb nahe oder weit
Geflogen auff daß Wassers breit;
Kein Reyger ich gesehen hab
Das Wasser fliegen auff und ab;
Der Mond ist auch an seinem schein
Nechten gewesen schön und rein,
Auch sah die Sonn schön hell und klar,
Als sie im vndergehen war.
Der Fischer redt. Des Windes sauß
Die wort fuhrt alle dort hinaus
Auch fuhren vbers Schiff gering
Die wellen, daß schier vnderging,
Doch hub er auff in solcher not
Sein Hände, bat vmb hülffe Gott.
Der München einer sprach mit Zorn,
Was liest du Gott mit bettn in ohrn,
Riß ihn das ruder aus der handt
Und schlug ihn, daß ers wol befandt
Den Leib zerplauwt er jhm so gar,
Daß nichts zum todt mehr vbrig war.

Also kam endlich an den tag,
Worans den schwarzen München lag,
Derhalben sie schnell in der lufft
Auffuhren wie ein leichter tufft,
Vnd letzten sich mit solchem stanck,
Daß wer es roch, in ohnmacht sank.

Bald sahe der Himmel wider schön
Im lufft man hört auch kein gethön.
Wiewol vom schrecken vnd gewalt
Der Fischer bey nah war erkalt,
Ermannt er doch vnd fuhr ans landt,
Legt sich da nieder auff den sandt,
Wart bis der helle tag anbrach,
Da endert sich die böse sach.
Denn Gott ein Knaben zu jm sandt,
Der hub ihn auff mit seiner handt,
Vnd führt jn heim zu seinem Weib,
Daselbsten er ein klein weil bleib.
Denn als er seinen Freunden all
Erzehlet hatte diesen Fall:
Auch alles hatt daheim bestellt,
Fuhr er dahin auß dieser Welt.

Deß andern tags nach der geschicht
Hat sich erzeigt ein gleichs gesicht:
Ein Bott auß Speyer früh ausging,
Bey zeiten er sein reiß anfing,
Da er nun auff dem weg ging fort,
Auch sonst kein Menschen sah noch hort,
Sieht er ein Wagen ohn geferdt
Schnell zu jhm rasseln auff der Erdt:
Die Deck von schwarzem Tuche war,
Mit München auch besetzet gar,
Der Pferdt dran waren sieben joch,
Ein radt am Wagen mangelt noch,
Der Fuhrmann der regiert die Roß,
Ein Nasen hat, war schrecklich groß,
Der Bott verstuzt begundt zustehn,
Und ließ die Kutsch füruber gehn.
Da merkt er erst die ganze sach,
Sah daß aus Teuffels trug geschah.
Flugs fuhr der Wagen in die Höhe,
Als wann es wer ein fewers löhe.
Ein Dampff mit grosser fewer flam
Mit krachen, prasseln baldt drauff kam.
Von schwerdtern hört man ein gekling,
Als wann ein Heer zusammen gieng.
Da dieß nun geschehen war zur handt
Der Bott sich auff dem weg vmbwandt:
Zeigts an den Leuthen in der Stadt,
Was sich früh drauß begeben hatt.
Vnd weil es ist ein ware geschicht,
So kan ichs auch verbergen nicht.
Auch könt ich wol, wanns nöthig wer,
Anzeigen, was drauß sey die leer.
Die Fürsten Teutscher Nation
Jetzund in grossem zwietracht stohn.

 


 

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