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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 315
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Warum die Kaiser im Dom zu Speyer bestattet worden sind

Als Kaiser Konrad den Grundstein zum Speyerer Dom legte, hat er verordnet, welcher römische König oder Kaiser innerhalb Deutschlands sterben würde und sich nicht einen besonderen Ort für sein Begräbnis bestimmt haben würde, der sollte in der Domkirche der Stadt Speyer bestattet werden. Eine ganz besondere Ursache dieser Verordnung erzählt Eysengrein nach verschiedenen Skribenten.

Graf Leopold von Calw, der als Übertreter eines gewissen kaiserlichen Gesetzes verklagt worden war, floh und verbarg sich mit seiner schwangeren Gemahlin in einer Bauernhütte im Schwarzwald. Der Kaiser kam von ungefähr dahin auf die Jagd und übernachtete in ebendieser Hütte, da der Graf abwesend war; des Nachts gebar die Gräfin einen Sohn, der weinte, und wobei diese Stimme gehört wurde: »O Kaiser, dieses Kind wirst du zu einem Tochtermann und Erben haben.«

Darüber erschrak der Kaiser und befahl des Morgens seinen Dienern, das Kind als von Vater und Mutter nun verlassen zu töten. Diese aber erbarmten sich über den Knaben, verbargen ihn unter einem Baum und überbrachten statt seines Herzens ein Hasenherz. Herzog Hermann von Schwaben fand, als er vorbeiging, den Knaben, hob ihn auf und nahm ihn endlich an Kindes Statt an.

Lange Zeit hernach sah der Kaiser diesen artigen Jüngling und bat den Herzog, daß er ihm diesen überlassen möchte. Nachdem dies geschehen war, fiel dem Kaiser einst aus verschiedenen Mutmaßungen ein, dies sei der Knabe, den er umzubringen befohlen habe. Damit nun die gehörte Stimme nicht erfüllt werden möchte, gab er dem Jüngling einen Brief, daß er ihn der Kaiserin überbringen sollte, folgenden Inhalts: »So lieb dir dein Leben ist, so lasse, sobald du den Brief empfangen hast, den Überbringer heimlich töten.«

Der Jüngling, der nichts Böses argwöhnte, nahm den Brief, eilte, kam bald nach Speyer und kehrte beim Domdechant ein. Dieser, von Neugierde getrieben, öffnete den Brief, verabscheute eine so schändliche Tat, und anstatt der Worte »Laß ihn töten«, schrieb er: »Gib ihm unsere Prinzessin zur Ehe.«

Dies geschah auch, und die Kaiserin ließ das Beilager zu Aachen halten. Der Kaiser, als er von dieser Vermählung Nachricht erhielt, erstaunte darüber und vernahm von Herzog Hermann, daß dieser Jüngling ein Sohn des Grafen von Calw sei. Weil er nun sah, daß er dem göttlichen Willen nicht widerstehen konnte, so nahm er den Tochtermann Heinrich zu seinem einzigen Sohn und zu seinem Mitregenten auf. Zur gebührenden Danksagung nun, weil er durch einen Speyerer (denn sein Kanzler war der Domdechant) von der Vergießung unschuldigen Blutes abgehalten und befreit worden war, hat er zu einem immerwährenden Gedächtnis dieser Geschichte verordnet, daß alle Könige und Kaiser, die in Deutschland sterben, in dem von ihm gestifteten Dom zu Speyer begraben werden sollten, was er auch zuerst an sich erfüllen ließ.

 


 

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