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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 309
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Der Löwe im Pfälzer Wappen

J. Trithem. de orig. Franc. ap. Ludewig, Geschichtschreiber vom Bischoffthum Würtzburg S. 1019. Eos 1819, N. 64, S. 253

An der Straße, die von Mainz nach Frankreich führt, drei Stunden von Zweibrücken, erblickt der Wanderer ein ehrwürdiges Denkmal der Vorzeit. Auf einem abgesonderten Berg stand vorzeiten eine ansehnliche Burg. Noch im sechzehnten Jahrhundert war sie ein Lieblingsaufenthalt des Herzogs Johannes I. von Zweibrücken. Jetzt ist es still und öde in dem zerfallenen Gemäuer; nur die Inschrift über dem Eingang spricht wie eine Stimme aus dem Dunkel längst verwichener Jahre. Sie ist aus der Feder dieses Fürsten geflossen und lautet:

        Hyldrich der Franken König war
Vor mehr den Dreyzehen hundert Jar,
Der aus Rath ein's, der Hildegast hies,
Die drey Frösch in seynem Schildt verlies.
Dafür in's Panier den Lewen gut
Nam, des Hindertheil sich krummen thut,
Gleich wie ein Schlang, um des Adlers Hals,
Darmit anzuzeigen gleiches falls,
Daß der Franken Lewenhertzen frey,
Manheyt und rechte Klugheit darbey,
Nach Gottes Wille mit Krieges Macht
Sollten bezwingen der Römer Pracht,
Wie dann hernach geschehen ist.
Nachdem der Adler entflohen ist,
Frankreich Lilien zum Wappen nam,
Der gekrönte Lew blieb den Pfalz Stamm.
    Gott erhalt die Pfalz beim Lewen gut,
    Und dieß Hauß allzeit in seyner Hut.
Anno Christi MDXCVII

Nach einer alten Überlieferung soll ein gewisser Hildegast die Deutschen zum Kampf gegen die Römer in Gallien begeistert haben. Er war der Vertraute des Frankenkönigs Hilderich, Priester und Wahrsager, dessen Aussprüche heilig waren.

Einst feierte Hildegast (im Jahre 224) den Geburtstag seines Königs. Er stand vor dem Altar einer heidnischen Gottheit, deren Priester er war. Als das Opfer verrichtet war, wurde er plötzlich von heiliger Begeisterung ergriffen. Seine Augen glühten, seine Glieder zitterten, er rief mit lauter Stimme: »Ich sehe in die Zukunft: eine Gottheit aus Westen gibt den Sicambrern den Sieg, sie dringen hinüber ins Gallierland, sie herrschen in Germaniens Fluren. Jenseits des Flusses weicht der fremde Adler zurück; als mutiger Löwe mit der Schlange Klugheit geht der Franke vorwärts im Römergebiet.«

Diese Aussprüche begeisterten Volk und König. Hilderich fand in den letzten Worten die Mahnung, ein neues Wappenschild zu wählen. Statt der drei Frösche nahm er den Löwen in erhabener Stellung, mit offenem Rachen; ein Bild des Mutes und der Stärke. Der Kopf stand im blauen Feld – er sah über den Rhein in blaue Ferne, aus der er die Römer vertreiben sollte. Der Schweif war geteilt; die eine Hälfte endete in einer Schlange, die einen Adler umfaßte – sie sollte die Klugheit versinnbildlichen.

Viele Jahre verflossen, bis der Löwe mit der Schlange vordrang. Nach dem Sieg bei Zülpich wurde das letzte Hindernis besiegt. Noch ehe Chlodwig das linke Rheinufer betrat, hatten die Deutschen die Römer vertrieben. Weil nun der Adler entflohen war, verließ der Frankenkönig das Sinnbild der Väter und nahm die Lilien in sein Wappen, von denen ein christlicher Priester sagte, sie seien vom Himmel gefallen. Die übrigen Glieder seines Hauses behielten den Löwen; ihre Nachkommen haben ihn noch. Im bayrischen Wappen hält er das Schild, im pfälzischen war er in der Mitte wie auf den Seiten zu sehen.

 


 

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