Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Alexander Schöppner >

Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 291
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
Schließen

Navigation:

Die Herren von Rüdt

Nach dem Erlöschen des Geschlechts der Cuglenberg kam ihre Burg an die Herren von Rüdt, die sich seitdem Rüdt von Collenberg nannten. Von diesem Geschlecht geht eine Familiensage, die häufig wiederkehrt. Einer der Ahnen dieses Hauses war kinderlos. Darüber war er voll Grimm und Unmut, so daß er rauh und mißgünstig wurde und die Armen mißhandelte.

Einst kam ein Bettelweib mit sechs Kindern vor seine Tür und flehte um eine Gabe; er aber hetzte sie mit Rüden von der Burg. Da fluchte ihm das Weib: »Weil du so geizig bist, so möge dir dein Weib ein ganzes Dutzend Kinder auf einmal gebären, auf daß sie all das Deine verzehren und vernichten!«

Und siehe – die Rittersfrau gebar ihrem Gemahl wirklich zwölf Söhnlein auf einmal. Da nahm der geizige Herr elf von den Kindern und befahl seinem Jägersknecht, er solle ihm diese elf Rüden ins Wasser werfen. Allein sie wurden wunderbar erhalten, kehrten als Männer ins väterliche Haus zurück und lösten durch fromme Taten den Fluch der Bettlerin. Sie nannten sich aber Rüden zum Andenken des Tages, wo man sie ins Wasser warf.

Andere erzählen, die Rittersfrau selbst habe jene Bettlerin abgewiesen und nach ihrer Niederkunft die elf Knäblein in den Main zu werfen befohlen; der Ritter habe jedoch die Tat vor der Ausführung entdeckt und die Kinder bis zum einundzwanzigsten Jahr in der Fremde erziehen lassen. Dann habe er die Mutter gefragt: »Welche Strafe verdient eine Mutter, die ihr Kind ermordet?«

Da sagte die Frau: »Man soll ein Faß mit langen Nägeln rundum beschlagen, sie hineinwerfen und den Berg hinunterrollen.«

Da holte der Ritter seine Söhne herbei, gab sie der Frau zu erkennen und gebot, die angegebene Strafe an ihr selbst zu vollziehen. Allein die Fürbitte der Söhne rettete die Mutter, die sich schon lange Jahre in Reue verzehrt hatte.

 


 

 << Kapitel 290  Kapitel 292 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.