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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 282
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Verwünschtes Schloß Dreistelz

Unweit des schönen Bades Brückenau erhebt sich ein Berg, der Dreistelz geheißen; jetzt liegt auf ihm ein Hof, der Dreistelzhof; vordem aber stand darauf ein prächtiges Schloß, und zwar an der Höhe nach Brückenau zu. In diesem Schloß wohnten drei stolze Damen, und man sagt, daß man diese Fräulein nur die »Drei Stolzen« genannt habe, sowohl wegen ihrer absonderlichen Schönheit als wegen ihrer großen Pracht und Hoffart; und ihr Haus, das hieß man das Dreistolzenschloß; daraus ist später Dreistelz geworden. Die Fräulein führten ein üppiges Leben, waren aber hart gegen ihre Untergebenen und karg gegen die Armen.

Eines Tages, als es auf den Abend zuging, kam ein armer Pilger daher, bat um Einlaß, um einen Imbiß und um Nachtquartier; doch als sein Begehren den drei Fräulein gesagt wurde, so wurde ihm von seinen drei Bitten weder die eine gewährt noch die andere, sondern man hieß ihn gehen; und weil er nicht gehen wollte, hetzten die rohen und ebenfalls harten Diener ihn mit Hunden fort. Da rührte der Pilger die Hunde an mit seinem Stab, und sie verstummten alsbald auf ewig und fielen tot hin; dann schwang er den Stab gegen das Schloß und sprach einen erschrecklichen Fluch, und alsbald fuhr das ganze Haus mit allen seinen Bewohnern in den Schoß des Berges hinab, und an seine Stelle trat ein kleiner See.

Noch immer ist am Dreistelz die Stätte zu erschauen, wo das Schloß gestanden ist, und zu gewissen Tagen und Stunden hören Sonntagskinder einen Hahn in der Nähe krähen, denn das verwünschte Schloß mit seinen Bewohnern steht noch unter der Erde, darinnen schlafen die Fräulein bis zum Jüngsten Tag. Alle drei Jahre aber, an dem Tag, an dem das Schloß verflucht wurde, kräht dreimal der Hahn. Da wachen die Schläfer auf im Bergesschoß, beten ein Ave-Maria und bereuen ihre Missetaten.

Manche Leute erzählen auch, daß die verwünschten Fräulein aus dem Berg auf Kirchweihen gekommen seien und sich unter die tanzenden Mädchen gemischt hätten; doch seien sie immer blaß gewesen und wären nie über den Glockenschlag zwölf hinaus bei den Tänzen geblieben.

 


 

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