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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 279
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Sternecker Schloß bei Roth nächst Kissingen

Auf dem Berg Sterneck stand in alten Zeiten ein Schloß gleichen Namens, das aber in die Tiefe versunken ist. Von dem Sternecker Schloß zieht, so geht die Sage, ein unterirdischer Gang unter der Saale durch und hat im Turm des alten Schlosses zu Steinach seine Mündung. Vorzeiten kamen durch diesen Gang zwei Jungfrauen auf die Kirchweih in Steinach zum Tanze. Sie waren allgemein unter dem Namen die »Sternecker Fräulein« bekannt. Sie durften nie über die zwölfte Stunde weilen.

Einst suchten sie die jungen Leute zu bestimmen, länger zu bleiben; nur eine ließ sich bewegen und weilte bis zwei Uhr in der Nacht, geriet aber dann in große Angst und eröffnete ihren Tänzern, daß sie schwerer Strafe nicht entgehen werde; sie möchten nur nach der Saale gehen – zeige diese einen roten Strich, so habe sie ihre Schuld mit dem Leben gebüßt. Hierauf eilte sie durch den unterirdischen Gang fort. Die jungen Leute sahen die blutigen Wellen. Von nun an kommen die Sternecker Fräulein nicht mehr zum Tanz.

Einst ging ein Mann am Weihnachtstag um fünf Uhr früh von Steinach nach Windheim. Als er ans Schloß Sterneck kam, sah er eine Schlüsselblume. Er wunderte sich, im Winter eine so schöne Blume zu finden, pflückte sie und steckte sie auf den Hut. Nun irrte er aber lange im Wald herum, und es war ihm, als ob ihn eine unsichtbare Macht in die Höhe ziehe. In Schrecken und Angst gelangte er vor ein großes Tor eines Schlosses, das sich von selbst öffnete. Er trat in das Schloß und sah ein weißes Fräulein, daneben zwei weiße Tücher ausgebreitet; auf dem einen lag ein Haufen Roggen, auf dem anderen ein Haufen Weizen. Dabei lag ein schwarzer Hund.

Der Mann faßte Mut, nahm von jedem Haufen eine Handvoll Körner, steckte sie in die Tasche und verließ das Schloß. Als er ein Stück Weges gegangen war, sah er nach der Schlüsselblume, hatte sie aber nicht. Aber die Körner hatten sich in pures Gold verwandelt. Es reute ihn, daß er nicht mehr genommen hatte.

Noch vor nicht langer Zeit, wird erzählt, gruben Schatzgräber im Sternecker Schloß; sie fanden Asche, zusammengeschmolzene Metalle; endlich zogen sie einen Kessel mit Geld herauf; aber schnell errichtete der Teufel hinter ihnen einen Galgen und nannte einen der Schatzgräber mit Namen. Voll Schrecken rief dieser: »Jesus! Maria!« da versank der Schatz, und er hatte nur den Kesselring in der Hand.

Eine Frau sah öfter den Schlangenkönig, wie er sich in der Saale badete. Als er einst wiederkam, breitete sie auf der Wiese am Ufer ein weißes Tuch aus, auf das der Schlangenkönig seine Krone legte. Die Frau nahm die Krone und lief nach ihrer Wohnung; der Schlangenkönig eilte ihr aber so schnell nach, daß sie gerade noch die Haustür hinter sich zuwerfen konnte, gegen die der Schlangenkönig mit solcher Gewalt stieß, daß sie tot zu Boden fiel.

Die Sage von den Sternecker Fräulein ist in dortiger Gegend sehr verbreitet.

 


 

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