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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 247
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Bischof und Marschall

Von F. J. Freiholz. – Johann Gottfried II. von Gutenberg, Bischof und Herzog in Franken, 1684-1698.

            Nicht immer wohnet Tapferkeit
Im blankgeschliffnen Schwerte,
Es gibt auch sonst noch tapfre Leut'
Auf Gottes weiter Erde,
Und mancher unterm Pfaffenhut
Zeigt in Gefahren großen Mut.

Zu Würzburg in dem Frankenland
Saß auf dem Bischofsstuhle
Ein edler Herr; an seiner Hand
Saß immer seine Buhle;
Die liebt' er heiß, die liebt' er sehr,
Sie war auch schön, hieß – Fürstenehr'!

Da kam Turenne, der große Held,
Ließ nirgends was als – Asche
Und steckte gern die ganze Welt
In Frankreichs weite Tasche.
Kam auch nach Würzburg, klopfte an,
Doch ward ihm hier nicht aufgetan.

Da lacht der Marschall: »Ha, bei Gott!
Die sollen's noch beklagen!«
Und läßt dem Bischof wie zum Spott
Die kurze Rede sagen:
»Komm' morgen selbst zum Bischof Hans
Und ess' mit ihm die Martinsgans!«

Doch Hans Gottfried, der tapfre Mann,
Versammelt seine Franken:
»Solang ich auf euch bauen kann,
Soll auch mein Mut nicht wanken.
Den Kelch vertausch' ich mit dem Schwert
Und schütze euch und euren Herd!«

Da schlägt aus jeder Frankenbrust
Ein Jubel gegen Himmel;
Das ist ein Leben, eine Lust,
Ein kriegerisch Gewimmel;
Und jeder nimmt das Schwert zur Hand
Zum Schutze für das Vaterland.

Der Bischof spricht zum Feldmarschall
Durch seinen Abgesandten:
»Es ist zu einem Mittagsmahl
Viel Gänsefleisch vorhanden.
Dieweil in Franken Gastrecht gilt
Sind ihn zu füttern wir gewillt.

Doch käme er zu uns als Feind,
Soll dies Brandschatzung heißen,
Dann haben wir's nicht so gemeint,
Dann gibt es Gäns' von Eisen;
Und biss' er sich an unsrem Trumpf
Auch alle seine Zähne stumpf.

Und alldieweil die Gänse sind
Sehr schwierig zu vertragen,
So sind wir freundlich ihm gesinnt
Und füllen ihm den Magen
Mit heißem, blutigrotem Wein,
Den schenken Kanoniere ein!«

Es stutzt der Marschall, staunt und schaut,
Als dieses er vernommen;
Auch ist ihn eine Gänsehaut
Gar plötzlich überkommen.
Hat reiflich drüber nachgedacht
Und klüglich sich davongemacht.

Drum noch einmal: Nicht immer steckt
Die Tapferkeit im Schwerte,
Und manches Pfaffenkleid verdeckt,
Wie diese Sage lehrte,
Zu seiner Untertanen Glück
Ein mut'ges Herz im Mißgeschick.

 


 

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