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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 234
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Die Gründung der Stadt Kitzingen

Es war im Jahre des Heils 746. Da saß in einer schwülen Septembernacht Adelheid, Herzog Pippins Töchterlein, an einem Fenster ihres Schlosses auf dem Schwanenberg, die Blicke gegen Süden gerichtet zu dem vollen Mond, der hinter düsteren Gewitterwolken spärlich hervorblickte, und zuweilen den Weg mit ihren Blicken verfolgend, der zu dem Städtchen Pippinhofen, jetzt Iphofen, führte, das schon freundlich aus der Wildnis hervorragte.

Denn dort hauste Ritter Karl, schlank und fein, sehnsuchtsvoll nach dem herzoglichen Fräulein schmachtend, der, weil er gar oft von seiner Wohnung aus den Berg beschaute, wo sie wohnte, von seinen Spießgesellen der Guckenberg genannt wurde, woher noch bis auf den heutigen Tag eine Familie jenes Städtchens ihren Namen führen soll. Täglich bei einbrechender Nacht stellte er sich unter den Fenstern Adelheids ein, doch heute konnte er nicht.

Immer dunkler wurde die Nacht; Adelheid sang ein ernstes Lied und spielte dazu auf ihrer Leier. Aber der Heißersehnte erschien nicht. Umsonst suchten die sie umgebenden Edelfräulein sie zu trösten.

Endlich erschien der Ritter Karl um Mitternacht und erzählte der Harrenden, wie er im Marktflecken des heiligen Stephanus (Marktsteft) gewesen sei, wo in diesem Jahr ein munteres Völklein sein erstes Kirchweihfest beging; wie er dort im ritterlichen Wettkampf den ersten Preis aus den Händen der schönsten Dame davongetragen habe, auch der Ehre gewürdigt worden sei, die Holde zum Reigen zu führen.

Darob ergrimmte in Eifersucht des Herzogs Tochter. Auch der Herzog Pippin schwor in seinem Zorn, nie solle der Verräter hoffen, die reine Hand der Prinzessin zu erhalten.

Traurig zog sich Karl nach seiner Burg zurück und hatte nur noch den einzigen Trost, nach dem Berg zu blicken, wo seine Liebe wohnte.

Traurig ging auch die Sonne am anderen Morgen für Adelheid auf. Der Sturm der Leidenschaft hatte sich gekühlt, es war alles so öde, aber des Vaters Zorn vereitelte jede Hoffnung. Sie entschloß sich daher, nach damaliger Sitte ein Kloster zu gründen. Die Auswahl des Platzes stellte sie dem Himmel anheim und warf bei einem Sturmwind ihren Handschuh von den Zinnen der Schwanenburg hoch in die Luft. Wo er niederfalle und gefunden würde, da wolle sie ihr junges Leben vertrauern.

Es hauste aber damals am rechten Mainufer in verstreuten Hütten ein altdeutsches Geschlecht; abgehärtet durch Fischerei, Vogelfang und Jagd, seine Lieblingsbeschäftigungen. Hier war es am Saum eines Waldes, wo ein Jäger, diesen Handschuh für einen Hasen im Lager ansehend, sein Geschoß auf ihn abdrückte und dieses so durchbohrte Zeichen der Prinzessin überreichte.

Dem Gelübde gemäß gründete nun Adelheid auf dem Platz des gefundenen Handschuhs am 23. September 745 das berühmte Nonnenkloster, das sie nach dem Namen des Jägers – er hieß Chiez – Kitzingen nannte, und ließ sich unter dem Namen Thekla zur Äbtissin weihen. Bald erhielt sie viele Gesellschafterinnen, die ein ähnliches Geschick im Kloster beweinen wollten; den Jungfrauen aber zog sich viel anderes Volk nach und erbaute ringsumher an den Ufern des Mains die zierliche Stadt Kitzingen.

Ritter Karl aber, als er die Schreckenspost, daß seine Geliebte den Schleier genommen habe, gehört hatte, wollte der Stätte nahe sein, wo sie für ihn lebendig tot war. Er siedelte sich also mit mehreren Getreuen dem Kloster gegenüber am linken Mainufer an und nannte den Ort, zum Zeichen, daß ihm Adelheid auch als Äbtissin Thekla noch etwas gelte, Etwashausen, das jetzt noch die Vorstadt von Kitzingen ist. Auch soll von der Klosterkirche in Kitzingen unter dem Main hindurch ein unterirdischer Gang in die Kreuzkapelle zu Etwashausen geführt haben.

 


 

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