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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 21
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Karl der Große im Karlsberg bei Fürth

Zwischen Nürnberg und Fürth liegt der Kaiser-Karls-Berg, aus dem in früherer Zeit oft ein schöner Gesang von unbekannten Stimmen ertönte. Damals kam zu einem Nürnberger Bäckerjungen, der abends am Berg vorbeiging, ein unbekanntes Männlein und sagte zu ihm: »Bring von morgen an täglich in der Frühe einen Korb voll Brot hierher in den Berg; du wirst an dieser Stelle den Eingang sehen und kannst ohne alle Furcht hineingehen. Jedesmal wird dir dein Brot bar bezahlt, und du erhältst einen Sechser Trinkgeld; wenn du aber die Sache verrätst, kostet es dich das Leben!«

Am anderen Morgen sagte der Junge seiner Meisterin, es sei ein großer Korb voll Brot bestellt worden; er nahm ihn und trug ihn an den Berg, woran er jetzt zum erstenmal eine Öffnung sah, durch die er hineinging. Alsbald kam ihm das Männlein mit einem Licht entgegen, und führte den Jungen in ein kostbar eingerichtetes Gewölbe, worin ein Kronleuchter brannte und viele geharnischte Männer schlafend umhersaßen. Hier legte der Knabe das Brot ab und wurde von dem Männlein mit lauter neuem Geld bezahlt, worauf er sogleich wieder aus dem Berg gehen mußte.

Bis zum dritten Tag ging alles gut; an diesem aber fragte die Meisterin, wer den Korb Brot bekomme und dafür das schöne neue Geld bezahle? Der Junge gab zur Antwort: Wenn sie nur das Geld erhalte, solle sie nicht nach dem Weiteren fragen. Damit war die Meisterin aber nicht zufrieden und schlich das nächstemal dem Jungen bis in die Nähe des Berges nach, worauf sie ihm bei seiner Rückkehr sagte, sie wisse jetzt, daß er das Brot zum Kaiser-Karls-Berg bringe; wenn er nun nicht alles gestehe, werde er aus dem Dienst gejagt. Durch diese Drohung wurde der Junge erschreckt und erzählte nun, wie es sich zugetragen hatte, aber er klagte dabei, daß er jetzt sein tägliches Trinkgeld, ja vielleicht gar sein Leben verlieren werde.

Am anderen Morgen ging er mit dem Korb Brot wieder fort, kam aber nicht mehr nach Hause, und es wurde auch keine andere Spur von ihm gefunden als seine Kleider, die auf dem Weg zum Berg hie und da zerstreut lagen. Seitdem ist der Gesang im Berg verstummt, dagegen hört man daraus zuweilen Wehklagen und Weinen.

 


 

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