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Gutenberg > Alexander Schöppner >

Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 193
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Alberadas Born

                        Alberade, still und fromm,
Kehrte zurück vom heil'gen Rom;
Ihr Gatte, weil mit Mut und Lieb'
Er treu dem Kaiser Heinrich blieb,
War jüngst in Gregors Bann gestorben.
Sie hatt' beim Papst als Gnad' erworben,
Daß ehrenvoll in Bambergs Dom
Die Leich' zu sel'ger Ruhe komm'.

Mit ihren Dienern fest und treu
Betrat das Maingau sie aufs neu.
Da in Gebirg' und dichtem Wald
Verirrten sich die Pilger bald –
Verschwunden war der heitre Main,
Rings schloß sie rauhe Wildnis ein,
Die Eule schwirrte durch die Zweige,
Hier modert' die gesunkne Eiche,
Die morsche Tann' sank mit Gekrach,
Kein Lichtstrahl drang durchs wald'ge Dach,
Die Rosse konnten nicht mehr weiter –
Der Wildnis ließen sie die Reiter.
Jäh ging es nun hinab im Lauf,
Dann wieder still den Berg hinauf,
Müd' auf die forstumzogne Heide
Kam die Verirrte und 's Geleite.

Da sank der jüngste Knappe nieder
Und schloß die matten Augenlider:
»Ich muß verschmachten!« seufzt er leise,
Und gleiche Klag' ertönt im Kreise:
»Wenn nicht ein Labetrunk uns rettet,
So werden wir ins Grab gebettet
Hier in der Wildnis schauerlich –
O Herr und Gott, erbarme dich!«

Die Gräfin kniet hin zum Gebet,
Und brünstig zu dem Herrn sie fleht:
»Du Ewiger, des starke Hand
Uns schirmte in dem fernen Land,
Uns übers Alpeneis geleitet,
Im Schneesturm Hilfe uns bereitet,
O laß, so nah' der Heimat Höhn,
Mich und die Meinen nicht vergehn!
Ich weiß, dein Vaterauge sieht
Auf uns, die hier der Tod umzieht,
Du leitest auf dem Lebenspfade,
Dein ist die Macht, doch auch die Gnade!
Du, der von Moses kahlen Felsen
Sich Wasserfluten hieß entwälzen,
Kannst diesem Boden kahl und trocken
Die Rettungsquelle auch entlocken!«

Sie richtet voll Vertrau'n sich auf,
Ihr Stab berührt des Sandes Hauf –
Rasch quillt hervor ein Wasserstrahl
Und plätschert übers Moos ins Tal.

Sie und die Ihrigen erquickt
Der Trunk, den Himmelsgnade schickt;
Sie füllen die verdorrten Flaschen,
Ihr Schleichen wird zum muntern, raschen,
Belebten Gang, und bald und leicht
Ist froh der gelbe Main erreicht,
Und herrlich liegt das Stammschloß Banz
Hoch in der Abendsonne Glanz.

Das Brünnlein aber rauschte fort,
Belebend sanft den wilden Ort.
Die Gräfin faßte es in Stein,
Führt' nach ihm Wege durch den Hain,
Und bald ward es durchs ganze Land
Alberadas Born genannt.

 


 

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