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Gutenberg > Alexander Schöppner >

Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 188
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Die Gräfin von Orlamünde

Von August Nodnagel

        Von des Schlosses hohem Söller
Schaut die Gräfin in das Tal;
Auf dem Schosse ruht die Zither,
Sieh – da sprengt ein stolzer Ritter
Her im Abendsonnenstrahl.

Albrecht war's, genannt der Schöne,
Nürnbergs hochberühmter Graf,
Der die Städter zwang zu weichen
Und mit scharfen Schwertesstreichen
Jeden kecken Gegner traf.

Freundlich blickt er auf zum Schlosse,
Und sein Helmbusch flattert weit;
Denn er grüßt mit Flammenblicken,
Liebe fordert sein Entzücken,
Erster Wonne Seligkeit.

Zum Vasallen tritt die Gräfin:
»Hayder, sattle flugs dein Roß!
Biet dem Grafen Hand und Minne,
Ob ich ihn zum Herrn gewinne,
Und zum Lohne nimm dies Schloß!«

Wie der Bot' auch fliegt von dannen –
Träg enteilt ihr doch die Zeit –,
Sieh, da springen in das Zimmer
Ihre Kinder, lieb wie immer,
Voller schelm'scher Fröhlichkeit.

»Wollt ihr einen Vater haben,
Herzgeliebte Kinder mein?« –
»Vater ging zu Gottes Freuden,
Wo die Wolkenlämmer weiden,
Spielt er mit den Engelein.«

Hayder kommt zurück und kündet,
Was betrübt der Ritter sprach:
»Laßt, o Herrin, dies Beginnen,
Nimmer darf Euch Albert minnen,
Eh der Tod vier Augen brach!«

Weh! Sie starrt just auf die Kinder,
Und durchschnitten zuckt ihr Herz.
Der verschmähten Liebe Plagen
Kann die Stolze nicht ertragen,
Und zur Wut wächst an der Schmerz.

Mit der Flamme in dem Busen
Wandelt sie drei Tage hin –
Hört nur in den eignen Hallen
Spott und Hohngelächter schallen,
Kann sich selbst nicht mehr entfliehn.

»Hayder«, fleht sie dumpfen Tones,
»Fördre meine Ungeduld;
Morde die verhaßten Kleinen,
Sie, nur sie kann Albrecht meinen;
Und ich trage jede Schuld!«

Hayder lockt die beiden Kleinen
Ins Gebüsch mit Spiel und Scherz;
Dort am Weiher ohn' Erbarmen
Packt die Eisenfaust die Armen,
Zuckt den Dolch aufs zarte Herz.

Ach, das Mägdlein fleht zum Mörder,
Tränen in dem Angesicht:
»Lieber Hayder, laß uns leben,
Will dir Orlamünde geben –«
Doch das rührt den Buben nicht.

Auch das Knäblein ringt die Hände:
»Lieber Hayder, schone mich,
Kriegst dann meinen Helm, den neuen.
Traun! Es wird dich nicht gereuen,
Mutter selbst belohne dich!«

Doch sie fallen – da verwirrt
Gottes Zorn des Mörders Sinn;
Und er kommt mit wildem Tritte,
Schleudert in der Diener Mitte
Seinen Dolch der Gräfin hin.

»Kennst du wohl das Blut der Kinder,
Das der Wolf im Forste leckt?
Die dort, wo die Birken neigen,
Haselbusch mit schlanken Zweigen
Wehmutzitternd nun bedeckt?« –

Albrecht kam ins nahe Kloster:
»Heil'ge Väter, tröstet mich,
Dieser Mord, davon in Tagen
Später Zeit man noch wird sagen,
Ward begangen – weh! – um mich!

Agnes liebt' ich wie mein Leben,
Höher stand mein Gott mir nur;
Aber treue Kindespflichten
Wollt' ich dennoch stets verrichten,
Bis mich löset die Natur.

Vater lebt mir noch und Mutter,
Dennoch bin ich nun allein. –
Ach, ihr Männer heil'gen Lebens,
Nimmer schloßt ihr euch vergebens
Vor dem tiefen Elend ein!«

Und im Kloster ruhn die Leichen
Arm in Arm, wie man sie fand.
Agnes war seit jenen Stunden
Aus der Heimatflur verschwunden,
Pilgernd ins Gelobte Land.

 


 

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