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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 185
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Das Zwergloch bei Marlesreuth

Zwischen Selbitz und Marlesreuth (bei Naila) befindet sich im Wald eine Felsenhöhle. Man heißt sie das Zwergloch. Hier unterm Felsen wohnten vor mehr als hundert Jahren Zwerge, die mit den Bewohnern der Ortschaft Naila Verkehr hatten. Zwei redliche und glaubwürdige Männer aus Marlesreuth, Albert Neffel und Hans Kohmann, die dort in hohem Alter in den Jahren 1679/80 starben, haben darüber dem Pfarrer Hedler zu Selbitz am 15. Juli 1654 folgenden Bericht abgestattet:

Kohmanns Großvater fuhr einst mit zwei Pferden auf seinen Acker in der Nähe des Zwerglochs. Sein Weib hatte ihm zum Frühstück ein neugebackenes Brot gebracht, es in ein Tuch gewickelt an den Rain gelegt und war nach Gras auf die Wiese gegangen. Da kommt in einer Weile ein Zwergweiblein und bittet den Ackersmann, ihm das Brot zu geben, das ihrige läge noch im Ofen, die hungrigen Kinder aber könnten nicht abwarten, bis es fertig wäre, mittags wollte sie's richtig zurückerstatten. – Der alte Kohmann hat dem Weiblein das Brot herzlich gern gegeben.

Mittags kommt darauf die Zwergin wieder und bringt einen noch warmen Kuchen auf sehr weißem Tuch, reicht ihn jenem mit Dank und sagt, er möge das Brot nehmen und ohne Scheu genießen, ihr Tüchlein aber liegen lassen, da sie es selbst abholen würde.

Dies ist auch geschehen. Und das Weiblein hat hinzugefügt, nun müßten sie bald scheiden und ihren bequemen Sitz hier verlassen, denn es würden so viele Hammerwerke in der Gegend aufgerichtet, die sie beunruhigten; auch vertreibe sie das viele Schwören und Fluchen der Menschen umher, gleich wie die Sabbatsentheiligung, wo die Hausväter vor der Frühsonntagskirche aufs Feld gingen und die Früchte beschauten, was doch sündlich wäre.

An einem Sonntag sind einmal etliche junge Marlesreuther Bauern mit Lichtern in die Zwergenwohnung bald aufrecht, bald gebückt, eingedrungen und nach langem Gehen endlich auf einen geräumigen Platz gelangt, der in viereckiger Form und zierlich mit Felsen ausgearbeitet war. Nach allen Seiten hin haben sie vier kleine Türen und Kämmerlein gefunden und zum Teil besehen.

Da ist ihnen aber ein Grausen angekommen, sie haben den Rückweg wieder gesucht und sind alle einige Tage unwohl gewesen.

 


 

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