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Gutenberg > Alexander Schöppner >

Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 167
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Der ewige Schmied im Fichtelgebirge

        Horch! Mitternacht schlägt es,
Zur Mette erschallt
Die Glocke im Wald!
Auf, Meister, vom Amboß
Hinweg gleich und ruht;
Das Christkind die Fahrt um
Im Lande jetzt tut.

»Erst schlag mir das Eisen,
Weil's glühet, zurecht,
Untüchtiger Knecht!
Ein Schlüssel gehämmert
Zur Christmettenzeit,
Dem öffnen die Kammern
Der Schätze sich weit.

Die Jungfrau im Haus ging,
Die Tochter, zu Bett,
Vergaß ihr Gebet,
Mit heiligem Quell zu
Besprengen die Tür;
Nun wehrt nichts den Geistern,
Nun helfen sie mir.«

Der Meister schlug rüstig,
Der hämmernde Schall
Erklang ohne Zahl.
Der Schlüssel ist fertig,
Und Schmied und Gesell
Ermüdet, sie schlummern
Selbander zur Stell'.

»He, Schmied, nicht so müßig
Geschnarcht auf dem Sitz!
Auf, sei mir eins nütz!«
Es ruft vor der Schmiede,
Steht draußen so groß,
Als wäre gekommen
Ein Reiter und Roß.

»Der ist nicht geheuer
Der wilde Gespann,
Den ruf' ich nicht an!«
Wohl schreckt es den Meister,
Ein Grauen ihn faßt;
Das Zögern, es bringt nur
In Hitze den Gast.

Der schlägt mit dem Kolben
Mit abermal drei
Die Türe entzwei
Und richtet sich hoch auf
Im niederen Bau,
Wie ist er so düster,
Wie ist er so rauh!

Wie hat er vom Helm und
Vom Panzer und Schwert
So schnell sich entwehrt.
»Die Beulen im Harnisch,
Im eisernen Hut,
Die klopfe mir, Meister!
Und glätte sie gut!«

Er spricht es und lehnt auf
Den Kolben sich stumm
Und schauet sich um.
Der Meister ist müde
Vom vorigen Tag
Und fürchtet des Gastes
Gedroheten Schlag.

Jetzt nimmt er den Helm und
Den Panzer zur Hand
Und klopft unverwandt.
Es schwingt der Gesell auch
Des Hammers Gewicht.
Sie schlagen, sie treiben
Und glätten doch nicht.

Wo ist nun der Schlüssel?
Weit offen die Tür,
Der Gast nicht mehr hier!
Zum Kämmerlein führt ihn,
Zur Jungfrau im Haus,
Der Schlüssel; den Schatz spürt,
Den teuren, er aus.

Es krähet der Hahn, und
Der Morgen wird hell,
Wie staunt der Gesell'!
Er hämmert am Amboß;
Der Meister, der schlug
Die Tochter, daß sie es
Nicht länger ertrug.

Vom Reiter im Boden
Sieht man noch den Tritt,
Die Spuren vom Ritt;
Und annoch in Nächten
Der Mette im Tal
Vernimmt man am Schneeberg
Den hämmernden Schall.

Ihr Mädchen, vergeßt nicht
Das Abendgebet,
Zu weih'n euer Bett;
Es klopft noch der Schmied, und
Der Gast geht noch um,
Und noch hängt der Schlüssel
Nicht im Heiligtum!

 


 

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