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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 164
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Das Goldlaiblein

Einst hüteten am Ochsenkopf zwei Knaben und ein Mädchen. Die Knaben waren Kinder wohlhabender Landleute; des Mädchens Eltern aber waren arm. Die kleinen Gefährten erzählten sich allerlei Märlein, die sie von den Geistern des Ochsenkopfes wußten. Da gesellte sich zu ihnen ein graues Männchen, das aufmerksam ihren kindlichen Gesprächen zuhörte. Endlich sprach es. »Ihr seid gute Kinder; darum will ich auch nicht von euch gehen, ohne euch zu beschenken.« Es zog aus der Tasche drei Laiblein Brot und gab jedem Kind eines. Darauf entfernte es sich.

Die beiden Knaben lachten ob des ärmlichen Geschenks und hielten es nicht wert. Der eine nahm sein Laiblein und warf es auf die Erde. Es hüpfte den Berg hinab in possierlichen Sprüngen, bis es sich zwischen struppigem Gebüsch verlor.

Da sprach der andere Knabe: »Halt, mein Laiblein muß das deinige suchen!« und warf es ebenfalls auf die Erde. Es nahm denselben Weg wie das erste. Nun wollten die leichtsinnigen Knaben auch das Mädchen bereden, ihr Geschenk wegzuwerfen.

Die Kleine aber hüllte es eilig in ihr Schürzlein und sprach: »Wie wird es meine Eltern freuen, wenn ich ihnen etwas mit nach Hause bringe!«

Als sie aber heimkam und man das Brot aufschnitt – siehe, da war ein Klumpen Gold hineingebacken, und Reichtum war eingezogen, wo sonst Mangel herrschte. – Als die beiden Knaben von dem Glück ihrer Gefährtin hörten, gingen sie zurück, die verschmähten Geschenke des grauen Männleins zu suchen. Allein es war vergeblich.

 


 

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