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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 160
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Das Brautpaar

Ein armer Aschenbrenner zu Bischofsgrün, der eines Morgens ausgegangen war, um die zu seinem Geschäft geeigneten Bäume auszuwählen, wurde jählings von einem Unwetter überrascht und stellte sich Schutz suchend in eine Felsengrotte. Kaum war er ein Weilchen dort gestanden, als er ein seltsames Klingen und Singen hinter sich vernahm. Er wandte sich stracks um und gewahrte zu seinem höchsten Erstaunen ein weites, strahlendes Gewölbe, dem Innern einer Kirche vergleichbar. An den Wänden und Emporen hingen Gold und Silber wie Eiszapfen herab, und Perlen und Edelsteine waren da aufgetürmt wie Zwiebelstränge. Der gute Aschenmann dachte bei diesem köstlichen Anblick an nichts anderes als an sein Weib, das er herzurufen müsse; er lief fort nach dem Dorf und brachte dieses trotz allen Sträubens daher. Schon glaubte er die Grotte wiederzuerkennen – ja, die Grotte war's, aber von all den Schätzen und Herrlichkeiten war nicht die Spur geblieben. Der getreue Ehemann hörte Schimpf und Spott von seinem Weib, er mochte ihr beteuern soviel er wollte.

Mittlerweile war auch der Sohn dieser Eltern mit seiner Braut herangekommen und ließ sich vom Vater den seltsamen Vorgang erzählen. »Ei«, sagte er, »warum ist das nicht mir geschehen und meiner Gretl? Wenn wir mitsammen die Grotte offen gefunden hätten, wir wären flugs hineingegangen; denn wenn eine Kirche drinnen ist, so würden wir auch einen Priester gefunden haben, der uns getraut hätte. Dann wären wir glücklich geworden mit einem Mal.«

Während der Bursche dies noch sprach, war wie durch einen Zauberschlag die Grotte abermals geöffnet worden, und drinnen zeigte sich eine gar herrliche Aussicht. Zur Linken stand eine goldene Kirche mit stattlichen Türmen und strahlenden Fenstern, und helles Geläut tönte von droben hernieder; zur rechten Seite stand ein zierliches Haus, von Gärten und Wiesen umgeben, und es schaute, mit Blumen und Kränzen geschmückt, recht hochzeitlich aus.

»Da haben wir's ja, was wir wünschen!« rief der Sohn des Aschenmanns, indem er sein Bräutlein in den Arm nahm. »Dort ist die Kirche zur Trauung, daneben unsere Wirtschaft – ade, Vater und Mutter. Da drinnen sind wir glücklicher als droben!« – Mit diesen Worten war das Brautpaar verschwunden, und nimmermehr kehrte es wieder.

 


 

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