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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 16
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Friedrich Rotbart zu Kaiserslautern

Etliche wollten, daß Kaiser Friedrich, als er aus der Gefangenschaft bei den Türken befreit worden war, gen Kaiserslautern gekommen sei und dort seine Wohnung lange Zeit gehabt habe. Er baute dort das Schloß, dabei einen schönen See oder Weiher – noch jetzt der Kaisersee genannt –, darin soll er einmal einen großen Karpfen gefangen und ihm zum Gedächtnis einen goldenen Ring von seinem Finger an ein Ohr gehängt haben. Derselbe Fisch soll, wie man sagt, ungefangen in dem Weiher bleiben bis auf Kaiser Friedrichs Rückkehr.

Einst, als man den Weiher ausfischte, hat man zwei Karpfen gefangen, die mit goldenen Ketten um die Hälse zusammengeschlossen waren, die noch vor Menschengedenken zu Kaiserslautern an der Metzlerpforte in Stein gehauen waren. Nicht weit vom Schloß war ein schöner Tiergarten gebaut, damit der Kaiser alle wunderlichen Tiere vom Schloß aus sehen konnte, woraus aber seit der Zeit ein Weiher und Schießgraben gemacht worden ist. Auch hängt in diesem Schloß des Kaisers Bett an vier eisernen Ketten, und man sagt, wenn man das Bett zu Abend wohl gebettet hatte, war es des Morgens wiederum zerbrochen, so daß deutlich jemand über Nacht darin gelegen zu haben schien.

Ferner ist zu Kaiserslautern ein Felsen, darin ist eine große Höhle oder ein Loch so wunderbar, daß niemand weiß, wo es Grund hat. Doch ist allenthalben das gemeine Gerücht gewesen, daß Kaiser Friedrich, der Verlorene, seine Wohnung darin haben sollte. Nun hat man einen an einem Seil hinabgelassen und oben an das Loch eine Schelle gehängt, daß er damit läute, wenn er nicht weiterkönne; dann wolle man ihn wieder heraufziehen. Als er hinabgekommen war, hat er den Kaiser Friedrich mit einem großen Bart in einem goldenen Sessel sitzen sehen. Der Kaiser hat ihm zugesprochen und gesagt, er solle mit niemand hier reden, so werde ihm nichts geschehen; und er solle seinem Herrn erzählen, daß er ihn hier gesehen hätte. Darauf hat er sich weiter umgeschaut und einen schönen, weiten Plan erblickt und viele Leute, die um den Kaiser standen. Endlich hat er seine Schelle geläutet, ist ohne Schaden wieder hinaufgekommen und hat seinem Herrn die Botschaft gesagt.

 


 

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