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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 150
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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EppleEppelein, urkundlich stets Eckelein. von Geilingen (1)

Altes Volkslied. – Eppelein von Gailingen oder Gailenreuth, Nürnbergs unversöhnlicher Feind, wurde 1381 zu Neumarkt gerädert. – Burg Gailenreuth im Wiesenttal in Oberfranken.

        Es was ein frisch freier reutersman,
der Epple von Geilingen ist ers genant.

Er reit zu Nürnberg auß und ein,
ist der von Nürnberg abgsagter feind.

Er reit zu Nürnberg fürs schmids haus:
hör, lieber schmid, trit zu mir herauß!

Hör, lieber schmid, nu laß dir sagen:
du solt mir meim roß vier eisen aufschlagen!

Beschlag mirs wol und beschlag mirs eben!
ich will dir ein guten lon drumb geben.

Da greift er in die taschen sein,
gab im vil der roten gülden fein.

Schmid, du solt nit vil davon sagen!
dein herren müßen mirs wol bezalen.

Er reit wol für das wechselhaus,
nam in ir silberins vogelhaus.

Er reit wol auf den Geiersperg
und machet in ir vogelhaus lär.

Sie schickten im ein boten hinnach
wo Eppele wolt ligen die nacht?

Hör, lieber bot! so ich dich muß fragen:
was hörst du vom Epple von Geilingen sagen?

Das magst wol für ein warheit jehen:
du habst in mit dein augen gsehen.

Da reit er unter das Frawentor,
da hieng ein par reuterstifel vor.

Torwechter, lieber torwechter mein!
wes mag diß par reuterstifel sein?

Sie seind eins freien reutersman,
Epple von Geifingen ist ers genant.

Er nam die stifel auf sein gaul
und schlugs dem torwechter umb das maul.

Se hin, torwechter! da hast du dein lon,
das zeig dein herren von Nürnberg an!

Der torwechter was ein bhender man,
sagts seinen herrn und der gmeinde an.

Sie schickten sibenzig reuter on gfär:
wo der Epple hin kommen wär?

Söldner! eur gfangner will ich nit sein,
eur seind sibenzig, ich nur allein.

Si triben in auf ein hohen stein,
der Epple von Geilingen sprangt in den Main.

Ir söldner! ir seind nit eren wert,
eur keiner hat ein gut reuterpfert.

Wie bald er sich auß dem sattel schwang!
und zog im selbs das par stifel an.

Da reit er über ein awen, was grün,
begegnet im ein kaufman, der daucht sich kün.

Hör, lieber kaufman, laß dir sagen!
wir wöln einander umb dtaschen schtagen.

Der kaufman was ein bhender man,
er gurt dem Epple sein taschen an.

Des kaufman er gar wol vernam,
ein beurin im auf der straßen bekam.

Die beurin er fraget auf der stet:
was man vom Eppele sagen tet?

Die beurin im ein antwurt gab:
der Eppele wär ein nasser knab.

So sag mir, liebe beurin schon!
was hat dir Eppele leids geton?

Epple von Geiling sich bald bedacht,
wie bald er da ein feur aufmacht!

Er nam das schmalz und macht es warm,
stieß ir die hend drein biß an die arm.

Se hin! da hast du den rechten lon,
und sag: der Eppele hab dirs geton!

Er schickt sein knecht gen Farnbach hinab:
man solt im bereiten ein gutes mal.

Da kam der Epple von Geilingen ein,
da bot im der wirt ein külen wein.

Der Eppele lugt zum fenster hinaus,
da schub man im vil wägen fürs haus.

Lieber wirt, tu mir die türen auf
und laß mich sprengen über auß!

Da sprangt er über acht wägen auß,
am neunten gab er den gibel auf.

So ligt mein muter am Rein, ist tot
darumb muß ich leiden große not.

Da zog er auß sein gutes schwert,
erstach damit sein reisig pfert.

Eppele! hetst du das nit geton
beim leben wolten wir dich lon.

Den Epple von Geilingen namens an,
brachten gen Nürnberg den gfangnen man.

Und fürten in auf den rabenstein,
man legt im den kopf zwischen die bein.

 


 

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